ADHS kann sich bei Frauen sehr unterschiedlich zeigen. Manche Frauen fallen bereits als Kinder durch typische ADHS-Symptome auf. Andere erhalten ihre Diagnose erst mit 30, 40 oder noch später.
Dazwischen liegen manchmal viele Jahre mit dem Gefühl:
„Irgendwie bekomme ich mein Leben hin. Aber warum kostet mich alles so viel Kraft?“
Nach außen kann vieles funktionieren.
Ausbildung. Studium. Beruf. Beziehung. Familie. Termine. Haushalt.
Gleichzeitig kann im Hintergrund ein erheblicher Aufwand notwendig sein, um dieses Funktionieren aufrechtzuerhalten.
Vielleicht werden Termine mehrfach kontrolliert.
Aufgaben werden erst unter enormem Zeitdruck erledigt.
Gespräche werden im Kopf wieder und wieder durchgegangen.
Für andere selbstverständliche Alltagsaufgaben benötigen ungewöhnlich viel Energie.
Und wenn etwas nicht funktioniert, lautet die Erklärung vielleicht:
„Ich muss mich einfach mehr anstrengen.“
Oder:
„Ich bin einfach zu chaotisch.“
„Warum schaffen das alle anderen und ich nicht?“
Eine wichtige Unterscheidung gleich zu Beginn:
Es gibt nicht einfach eine klar abgegrenzte Form von ADHS, die ausschließlich bei Frauen vorkommt.
Die grundlegenden diagnostischen Bereiche von ADHS umfassen auch bei Frauen insbesondere:
Mehr zu den Grundlagen findest du unter Was ist ADHS?.
Interessant wird jedoch die Frage, wie diese Schwierigkeiten im individuellen Alltag sichtbar werden.
Symptome können unterschiedlich ausgeprägt sein.
Menschen entwickeln unterschiedliche Kompensationsstrategien.
Auch Erwartungen durch Familie, Schule, Beruf und Gesellschaft können beeinflussen, welches Verhalten auffällt und welches weniger wahrgenommen wird.
ADHS muss bei Frauen nicht grundsätzlich anders sein. Aber sie kann anders sichtbar werden.
Schwierigkeiten können sich beispielsweise zeigen durch:
Hinter diesen Schwierigkeiten können unter anderem Prozesse stehen, die mit exekutiven Funktionen, Arbeitsgedächtnis, Konzentration und Motivation zusammenhängen.
Keine dieser Eigenschaften beweist für sich genommen eine ADHS.
Viele dieser Schwierigkeiten können auch ohne ADHS auftreten oder andere Ursachen haben.
Eine Liste typischer Erfahrungen kann Hinweise geben. Sie ersetzt keine ADHS-Diagnostik.
Ein wichtiger Punkt bei ADHS im Erwachsenenalter ist die Unterscheidung zwischen Ergebnis und Aufwand.
Zwei Menschen können von außen dasselbe Ergebnis erreichen.
Der Weg dorthin kann jedoch völlig unterschiedlich aussehen.
Eine Frau erscheint beispielsweise immer pünktlich.
Von außen wirkt das zunächst nicht wie ein Problem mit Zeitmanagement.
Vielleicht funktioniert diese Pünktlichkeit aber nur, weil sie:
Das Ergebnis lautet:
„Sie ist immer pünktlich.“
Die interessantere Frage lautet:
„Was muss sie tun, damit sie immer pünktlich ist?“
Ähnliches kann für Ordnung, Arbeit, Lernen, Beziehungen und viele andere Lebensbereiche gelten.
Funktionieren und Mühelosigkeit sind nicht dasselbe.
Besonders dann, wenn Schwierigkeiten erfolgreich kompensiert werden oder weniger nach außen stören, können sie lange weniger sichtbar bleiben.
Manche Frauen suchen deshalb zunächst wegen anderer Belastungen Unterstützung.
Zum Beispiel wegen:
Solche Beschwerden können zusätzlich zu ADHS bestehen und müssen entsprechend eigenständig betrachtet werden.
Eine andere Diagnose in der Vorgeschichte bedeutet deshalb nicht automatisch, dass diese Diagnose falsch war und „eigentlich nur ADHS“ dahintersteckte.
Nicht jede unerkannte ADHS ist unsichtbar. Manchmal wird nur etwas anderes zuerst sichtbar.
ADHS bei Frauen lässt sich kaum verstehen, wenn wir nur auf einen einzelnen Lebensabschnitt schauen.
Relevant können sehr unterschiedliche Phasen sein:
Anforderungen verändern sich.
Unterstützung verändert sich.
Routinen verändern sich.
Und auch hormonelle Veränderungen können für manche Frauen relevant sein.
Deshalb werden wir ADHS bei Frauen in diesem Artikel nicht auf eine Liste vermeintlich „weiblicher Symptome“ reduzieren.
Die entscheidende Frage lautet nicht nur: „Welche Symptome hat eine Frau mit ADHS?“ Sondern auch: „Wie haben sich diese Symptome durch ihr Leben gezogen – und was war notwendig, damit sie trotzdem funktionieren konnte?“
ADHS kann bei Frauen später erkannt werden, wenn Symptome weniger auffällig nach außen treten, Schwierigkeiten lange kompensiert werden oder zunächst andere psychische Belastungen im Vordergrund stehen.
Dabei geht es nicht darum, dass ADHS bei Frauen grundsätzlich „versteckt“ wäre.
Vielmehr können unterschiedliche Faktoren dazu beitragen, dass Schwierigkeiten weniger eindeutig als ADHS erkannt werden.
Entscheidend ist nicht nur, welche Symptome vorhanden sind. Entscheidend ist auch, welche Symptome von der Umgebung überhaupt wahrgenommen werden.
Stell dir zwei Kinder im Unterricht vor.
Ein Kind steht ständig auf, ruft dazwischen, stört andere und handelt impulsiv.
Ein anderes Kind sitzt ruhig am Tisch.
Es schaut aus dem Fenster.
Es hat die Hälfte der Aufgabe nicht mitbekommen.
Die Hausaufgaben stehen nicht im Heft.
Der Sportbeutel liegt noch zu Hause.
Und während die Lehrkraft spricht, ist das Kind gedanklich längst woanders.
Beide Kinder können erhebliche Schwierigkeiten haben.
Das erste Kind erzeugt jedoch möglicherweise schneller ein Problem für seine Umgebung.
Was andere stört, wird häufig schneller bemerkt als das, was vor allem die betroffene Person selbst belastet.
ADHS wird häufig mit sichtbarer Hyperaktivität verbunden.
Dabei gehört auch Unaufmerksamkeit zu den zentralen Symptombereichen.
Sie kann sich beispielsweise zeigen durch:
Ein Kind, das hauptsächlich verträumt wirkt, kann deshalb weniger schnell mit dem stereotypen Bild von ADHS verbunden werden.
Mehr zu den unterschiedlichen Erscheinungsformen findest du unter Was ist ADHS?.
ADHS muss nicht laut sein, um den Alltag erheblich zu beeinflussen.
Eine Schwierigkeit muss nicht verschwinden, nur weil jemand eine Strategie entwickelt hat, sie auszugleichen.
Kompensation kann beispielsweise bedeuten:
Von außen kann das sogar ausgesprochen organisiert wirken.
Die eigentliche Belastung wird erst sichtbar, wenn man nach dem Aufwand fragt.
„Ja, ich bekomme meine Aufgaben erledigt. Aber ich brauche dafür gefühlt doppelt so lange wie andere.“
Gerade Schwierigkeiten mit exekutiven Funktionen können dadurch teilweise nach außen ausgeglichen werden, ohne dass sie für die betroffene Person verschwinden.
Gute Schulnoten oder ein erfolgreiches Studium schließen ADHS nicht aus.
Leistung hängt von deutlich mehr Faktoren ab als von Aufmerksamkeit allein.
Unterstützend können beispielsweise sein:
Deshalb reicht die Frage:
„Wie waren deine Noten?“
allein nicht aus.
Ebenso interessant sind Fragen wie:
Gute Leistung beantwortet nicht automatisch die Frage, wie viel Kraft diese Leistung gekostet hat.
Menschen lernen früh, welches Verhalten in ihrer Umgebung erwünscht ist.
Das gilt selbstverständlich nicht nur für Mädchen.
Gesellschaftliche Erwartungen können jedoch beeinflussen, wie Verhalten bewertet und wie stark es nach außen kontrolliert wird.
Ein impulsiver Gedanke muss beispielsweise nicht ausgesprochen werden.
Unruhe muss nicht bedeuten, dass jemand durch den Raum läuft.
Sie kann sich auch zeigen durch:
Kontrolliertes Verhalten bedeutet nicht automatisch innere Ruhe.
Manche Frauen suchen zunächst wegen anderer psychischer Beschwerden professionelle Unterstützung.
Dazu können beispielsweise gehören:
ADHS kann gleichzeitig mit anderen psychischen Erkrankungen auftreten.
Deshalb wäre die einfache Schlussfolgerung:
„Die Depression war eigentlich ADHS.“
zu kurz gegriffen.
Es kann beispielsweise eine Depression vorliegen und zusätzlich eine bislang nicht erkannte ADHS.
Genau deshalb ist eine sorgfältige Diagnostik wichtig.
Eine zusätzliche ADHS-Diagnose macht frühere Belastungen nicht automatisch zu Fehldiagnosen.
Schule und Elternhaus bieten häufig mehr äußere Struktur, als später im Erwachsenenleben vorhanden ist.
Es gibt:
Später verändert sich das.
Im Studium, Beruf oder Familienalltag müssen zunehmend eigene Strukturen aufgebaut werden.
Plötzlich muss eine Person selbst entscheiden:
Manchmal werden Schwierigkeiten nicht plötzlich stärker. Manchmal fällt nur die Struktur weg, die sie bisher aufgefangen hat.
Eine Strategie kann jahrelang funktionieren – bis die Anzahl der Anforderungen steigt.
Zum Beispiel durch:
Was vorher gerade noch kompensiert werden konnte, funktioniert plötzlich nicht mehr zuverlässig.
„Früher habe ich das doch auch geschafft. Warum funktioniert es jetzt nicht mehr?“
Die Antwort muss nicht lauten, dass die Person plötzlich weniger leistungsfähig geworden ist.
Vielleicht ist schlicht die Menge dessen gestiegen, was gleichzeitig organisiert, erinnert und gesteuert werden muss.
Kompensation hat Grenzen. Wenn Anforderungen steigen, können Schwierigkeiten sichtbar werden, die vorher durch enorme Anstrengung aufgefangen wurden.
ADHS ist eine neuroentwicklungsbezogene Störung.
Eine Diagnose mit 35, 45 oder 55 Jahren bedeutet deshalb nicht, dass ADHS erst in diesem Alter entstanden ist.
Bei einer Diagnostik im Erwachsenenalter ist deshalb auch die Entwicklung seit der Kindheit relevant.
Rückblickend können beispielsweise Fragen interessant werden wie:
Die Diagnose kann spät kommen. Die Geschichte dahinter beginnt häufig sehr viel früher.
ADHS bei Frauen kann sich durch Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit, Organisation, Zeitmanagement, Impulsivität, innerer Unruhe und Selbststeuerung zeigen. Wie stark einzelne Bereiche ausgeprägt sind, unterscheidet sich jedoch erheblich von Person zu Person.
Es gibt deshalb nicht das eine typische Bild einer Frau mit ADHS.
Eine Frau verliert ständig ihre Schlüssel, ist aber beruflich hervorragend organisiert.
Eine andere wirkt nach außen ruhig, erlebt aber eine permanente innere Unruhe.
Eine dritte ist zuverlässig und pünktlich, benötigt dafür jedoch zahlreiche Erinnerungen, Listen und Kontrollmechanismen.
Und eine weitere kommt mit ihrem Alltag gut zurecht, solange genügend äußere Struktur vorhanden ist – bis mehrere Anforderungen gleichzeitig auftreten.
ADHS ist kein festes Persönlichkeitsprofil. Entscheidend ist das Muster verschiedener Symptome und deren Auswirkungen auf den Alltag.
Schwierigkeiten mit der Steuerung von Aufmerksamkeit können sich in vielen Alltagssituationen zeigen.
Zum Beispiel:
Gleichzeitig kann die Konzentration bei interessanten oder stark aktivierenden Tätigkeiten deutlich leichter fallen.
Mehr dazu findest du unter ADHS und Konzentration.
Das Problem ist bei ADHS häufig nicht, überhaupt Aufmerksamkeit zu haben. Schwieriger kann es sein, Aufmerksamkeit passend zur Situation zu steuern.
Vergesslichkeit kann zu einem ständigen Begleiter werden.
Typische Situationen können sein:
Dabei kann insbesondere das Arbeitsgedächtnis eine Rolle spielen.
Ausführlicher findest du dieses Thema unter ADHS und Vergesslichkeit.
Vergessen bedeutet nicht automatisch, dass etwas unwichtig war.
Viele Alltagssituationen verlangen gleichzeitig Planung, Priorisierung und Organisation.
Das Problem ist dabei häufig nicht mangelndes Wissen.
Eine Person weiß möglicherweise sehr genau, was getan werden müsste.
Schwieriger ist die Umsetzung.
„Ich weiß genau, was ich machen müsste. Ich bekomme es nur nicht zuverlässig umgesetzt.“
Hier können insbesondere exekutive Funktionen relevant sein.
Eine Aufgabe kann wichtig sein.
Sie kann sogar dringend sein.
Und trotzdem beginnt man nicht.
Besonders schwierig können Aufgaben sein, die:
Dann wird aus:
„Das mache ich heute.“
irgendwann:
„Warum habe ich das schon wieder drei Wochen vor mir hergeschoben?“
Schwierigkeiten mit Aktivierung und Motivation bei ADHS sollten dabei nicht vorschnell mit Faulheit gleichgesetzt werden.
Wissen, dass etwas wichtig ist, und eine Handlung tatsächlich beginnen zu können, sind zwei unterschiedliche Prozesse.
Zeitmanagement kann sich auf unterschiedliche Weise bemerkbar machen.
Manche Frauen kommen regelmäßig zu spät.
Andere sind fast immer zu früh, weil sie große Sicherheitspuffer eingebaut haben.
Typische Schwierigkeiten können sein:
Mehr dazu findest du unter ADHS und Zeitblindheit und ADHS und Pünktlichkeit.
Auch übermäßige Pünktlichkeit kann eine Kompensationsstrategie für Schwierigkeiten mit Zeitmanagement sein.
Hyperaktivität muss nicht immer bedeuten, sichtbar durch einen Raum zu laufen.
Manche Frauen beschreiben eher:
„Mein Körper sitzt auf dem Sofa. Mein Kopf läuft trotzdem weiter.“
Innere Unruhe ist allerdings nicht spezifisch für ADHS und kann auch bei anderen psychischen oder körperlichen Belastungen auftreten.
Impulsivität kann sehr unterschiedliche Lebensbereiche betreffen.
Mehr zu diesem Thema findest du unter ADHS und Impulsivität.
Impulsivität bedeutet nicht zwangsläufig, ständig riskante Dinge zu tun. Sie kann sich in vielen kleinen Alltagssituationen zeigen.
Manche Erwachsene mit ADHS berichten, dass Emotionen schnell und intensiv auftreten.
Das kann beispielsweise bedeuten:
Emotionale Dysregulation wird häufig im Zusammenhang mit ADHS untersucht, gehört aber nicht zu den diagnostischen Kernkriterien von ADHS.
Mehr dazu findest du unter ADHS und Emotionen.
Eine starke Emotion ist real. Sie ist aber nicht automatisch ein Beweis für ADHS.
Ein Großraumbüro.
Mehrere Gespräche gleichzeitig.
Das Handy vibriert.
Eine Kollegin stellt eine Frage.
Im Hintergrund läuft Musik.
Gleichzeitig wartet eine wichtige Aufgabe.
Situationen mit vielen konkurrierenden Reizen können sehr anstrengend sein.
Manche Betroffene beschreiben dann:
„Ich kann irgendwann überhaupt nicht mehr filtern, was gerade wichtig ist.“
Mehr dazu findest du unter ADHS und Reizüberflutung.
Vielleicht ist genau dieser Bereich bei manchen Frauen besonders leicht zu übersehen.
Von außen sieht man:
Unsichtbar bleiben möglicherweise:
Von außen sichtbare Leistung erzählt nicht automatisch, wie anstrengend der Weg dorthin war.
Einzelne Punkte dieser Liste kennen sehr viele Menschen.
Deshalb sollte aus Aussagen wie:
„Ich verliere ständig meinen Schlüssel.“
oder:
„Ich schiebe meine Steuererklärung auf.“
keine vorschnelle Selbstdiagnose entstehen.
Für eine diagnostische Einordnung ist unter anderem relevant:
Die Frage ist nicht nur: „Erkenne ich mich in einzelnen ADHS-Symptomen wieder?“ Die wichtigere Frage lautet: „Ergibt sich daraus über meine Lebensgeschichte hinweg ein konsistentes Muster?“
Hyperaktivität bei ADHS muss nicht immer als deutlich sichtbare körperliche Unruhe auftreten. Manche Frauen beschreiben stattdessen oder zusätzlich eine starke innere Getriebenheit, viele gleichzeitig laufende Gedanken und Schwierigkeiten damit, körperlich und mental zur Ruhe zu kommen.
Wichtig ist dabei:
Die einfache Formel
„Männer sind äußerlich hyperaktiv – Frauen sind innerlich hyperaktiv.“
wäre zu pauschal.
Auch Frauen können deutlich motorisch hyperaktiv sein.
Auch Männer können vor allem innere Unruhe erleben.
Dennoch lohnt es sich, genauer hinzusehen, wenn Hyperaktivität nicht dem klassischen Bild des ständig herumrennenden Kindes entspricht.
Hyperaktivität kann sichtbar sein. Sie kann aber auch weniger offensichtlich in den Alltag eingebaut werden.
Manche Frauen beschreiben ihren Kopf wie einen Raum, in dem mehrere Gespräche gleichzeitig stattfinden.
Ein Gedanke beginnt.
Dann kommt der nächste.
Der erste ist noch nicht beendet.
Gleichzeitig fällt etwas ein, das noch erledigt werden muss.
Dann entsteht eine neue Idee.
Und plötzlich läuft im Kopf zusätzlich ein Gespräch von gestern noch einmal ab.
„Ich bin müde. Aber mein Kopf ist überhaupt nicht müde.“
Innere Unruhe kann beispielsweise verbunden sein mit:
Körperliche Aktivität muss nicht zwangsläufig als störendes Verhalten auffallen.
Diese Verhaltensweisen können sozial deutlich weniger auffallen als ein Kind, das im Unterricht ständig seinen Platz verlässt.
Bewegungsdrang verschwindet nicht zwangsläufig. Er kann andere Formen annehmen.
Manche Menschen erleben Ruhe nicht automatisch als angenehm.
Ein freier Nachmittag kann sogar unangenehm werden.
Dann entstehen schnell neue Aktivitäten:
Von außen kann diese Person ausgesprochen produktiv wirken.
Innerlich kann dahinter jedoch das Gefühl stehen:
„Ich kann einfach nicht nichts machen.“
Dabei ist wichtig:
Viel Aktivität allein ist kein Hinweis auf ADHS.
Manche Menschen sind schlicht gerne aktiv.
Relevant wird die Frage, ob ein schwer steuerbarer Aktivitätsdrang zusammen mit weiteren ADHS-Symptomen auftritt und zu Beeinträchtigungen führt.
Hyperaktivität betrifft nicht ausschließlich Bewegung.
Sie kann sich auch sprachlich zeigen.
Hier überschneiden sich Hyperaktivität und Impulsivität.
„Wenn ich den Gedanken nicht sofort sage, ist er vielleicht gleich wieder weg.“
Auch das Arbeitsgedächtnis kann dabei eine Rolle spielen.
Der Arbeitstag ist vorbei.
Die Kinder schlafen.
Die Aufgaben für heute sind erledigt.
Eigentlich wäre jetzt Ruhe.
Doch im Kopf beginnt:
Der Kalender kann Feierabend haben, während der Kopf noch weiterarbeitet.
Schwierigkeiten beim Abschalten können allerdings viele Ursachen haben.
Stress, Angst, Schlafprobleme und andere psychische oder körperliche Faktoren können ebenfalls innere Unruhe verursachen.
Innere Unruhe allein erlaubt deshalb keine diagnostische Schlussfolgerung.
Manche Menschen suchen im Alltag häufig zusätzliche Stimulation.
Dann läuft beispielsweise:
Zusätzliche Stimulation kann individuell dabei helfen, monotone Tätigkeiten interessanter oder leichter durchführbar zu machen.
Gleichzeitig kann zu viel gleichzeitige Stimulation irgendwann in Reizüberflutung umschlagen.
Zu wenig Stimulation kann unangenehm sein. Zu viel Stimulation ebenfalls.
Manche Frauen beschreiben einen Alltag zwischen zwei Extremen.
Entweder:
„Ich mache alles gleichzeitig.“
„Jetzt geht überhaupt nichts mehr.“
Phasen hoher Aktivität können sich mit Phasen starker Erschöpfung abwechseln.
Das bedeutet nicht automatisch, dass ADHS die Ursache dafür ist.
Es lohnt sich jedoch, genauer zu betrachten:
Ruhe ist nicht dasselbe wie Erschöpfung. Erst wenn keine Energie mehr vorhanden ist, nichts mehr tun zu können, ist keine echte Regulation.
Gedankenrasen, Anspannung und Schwierigkeiten beim Abschalten sind nicht spezifisch für ADHS.
Ähnliche Erfahrungen können beispielsweise im Zusammenhang mit:
auftreten.
Deshalb ist bei einer diagnostischen Abklärung nicht nur die Frage wichtig:
„Bin ich innerlich unruhig?“
Sondern:
„Seit wann besteht diese Unruhe, in welchen Situationen tritt sie auf und welche weiteren Symptome begleiten sie?“
Statt nur danach zu fragen:
„Kannst du ruhig sitzen?“
kann es hilfreich sein, genauer hinzuschauen.
Die Frage ist nicht nur, ob Hyperaktivität von außen sichtbar ist. Die Frage ist auch, wie viel innere Steuerung notwendig ist, damit sie nicht sichtbar wird.
ADHS beginnt nicht erst im Erwachsenenalter. Wenn eine Frau erst mit 30, 40 oder 50 Jahren diagnostiziert wird, lohnt sich deshalb der Blick zurück: Welche Schwierigkeiten waren möglicherweise bereits als Mädchen vorhanden?
Rückblickend entstehen dabei manchmal ganz neue Perspektiven auf die eigene Kindheit.
„Ich war doch kein typisches ADHS-Kind.“
Vielleicht stimmt das sogar – zumindest bezogen auf das stereotype Bild eines Kindes, das ständig aufsteht, laut ist und den Unterricht unterbricht.
Vielleicht sah die Geschichte stattdessen so aus:
Eine unauffällige Schulzeit bedeutet nicht automatisch eine beschwerdefreie Schulzeit.
Ein Mädchen sitzt am Tisch und schaut aus dem Fenster.
Es stört niemanden.
Es ruft nicht dazwischen.
Es läuft nicht durch das Klassenzimmer.
Aber es hat einen Teil der Erklärung nicht mitbekommen.
Wenn die Aufgabe beginnt, schaut es zu den anderen:
„Was sollen wir machen?“
Dieses Verhalten kann leicht als:
interpretiert werden.
Dabei können Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit und Konzentration dahinterstehen.
Ein Kind muss den Unterricht nicht stören, damit der Unterricht für dieses Kind schwierig ist.
Bei der rückblickenden Betrachtung der Kindheit lohnt es sich deshalb, nicht ausschließlich auf Schulnoten zu schauen.
Interessant können ganz alltägliche Dinge sein.
„Meine Noten waren eigentlich gut. Aber jeden Morgen haben wir irgendetwas gesucht.“
Solche Alltagserfahrungen können Hinweise auf Schwierigkeiten mit Organisation, Arbeitsgedächtnis oder Vergesslichkeit geben.
Hausaufgaben verlangen erstaunlich viele Fähigkeiten gleichzeitig.
Ein Kind muss:
Genau dabei sind verschiedene exekutive Funktionen beteiligt.
Dann entsteht vielleicht jeden Nachmittag dieselbe Situation:
„Jetzt fang doch endlich an.“
Eine Stunde später:
„Du wärst doch längst fertig, wenn du einfach angefangen hättest.“
Für das Kind kann daraus früh die Botschaft entstehen:
„Mit mir stimmt etwas nicht. Ich müsste mich einfach mehr anstrengen.“
Ein Mädchen kann in einem Fach sehr konzentriert und leistungsfähig sein – und in einem anderen scheinbar kaum bei der Sache bleiben.
Besonders interessant sind deshalb Unterschiede zwischen Situationen.
Vielleicht funktioniert:
Gleichzeitig werden:
Diese Unterschiede werden manchmal missverstanden.
„Wenn du dich bei deinem Hobby drei Stunden konzentrieren kannst, kannst du dich in Mathe auch konzentrieren.“
Aufmerksamkeit funktioniert jedoch nicht in jeder Situation unter denselben Bedingungen.
Mehr dazu findest du unter ADHS und Motivation.
Vielleicht erinnert die Mutter jeden Morgen an den Turnbeutel.
Der Vater kontrolliert die Hausaufgaben.
Die Lehrerin erinnert an Abgabetermine.
Der Stundenplan hängt sichtbar in der Küche.
Die Schultasche wird abends gemeinsam gepackt.
Das Kind funktioniert.
Aber ein Teil der notwendigen Selbstorganisation wird von der Umgebung übernommen.
Manchmal sieht man erst, wie viel äußere Struktur geholfen hat, wenn diese Struktur später wegfällt.
Beim Wechsel auf eine weiterführende Schule, im Studium oder beim Auszug aus dem Elternhaus können deshalb Schwierigkeiten deutlicher werden.
Es wäre falsch, Mädchen mit ADHS ausschließlich als ruhig und verträumt darzustellen.
Auch Mädchen können:
Wie Verhalten wahrgenommen und bewertet wird, kann jedoch auch von sozialen Erwartungen beeinflusst werden.
„Mädchen sind verträumt, Jungen sind hyperaktiv“ ist keine ausreichende Beschreibung von ADHS.
Manche Mädchen mit ADHS erleben Frustration oder andere Emotionen sehr intensiv.
Im Alltag kann das beispielsweise bedeuten:
Solche Reaktionen sind nicht spezifisch für ADHS.
Sie können aber Teil des Gesamtbildes sein und sollten im Zusammenhang mit anderen Symptomen betrachtet werden.
„Zu empfindlich“ beschreibt eine Bewertung. Es erklärt noch nicht, was hinter einer starken emotionalen Reaktion passiert.
Auch Freundschaften und Gruppensituationen können interessant sein.
Schwierigkeiten können beispielsweise entstehen durch:
Gleichzeitig können manche Mädchen viel Energie darauf verwenden, soziale Erwartungen genau zu beobachten und das eigene Verhalten entsprechend anzupassen.
Was sozial gut funktioniert, muss sich innerlich nicht automatisch leicht anfühlen.
Bei einer ADHS-Diagnostik im Erwachsenenalter kann die Kindheitsentwicklung eine wichtige Rolle spielen.
Alte Zeugnisse können manchmal Hinweise enthalten.
Zum Beispiel Formulierungen wie:
Solche Aussagen beweisen keine ADHS.
Sie können aber gemeinsam mit anderen Informationen helfen, die Entwicklung über die Lebensspanne zu rekonstruieren.
Eine späte Diagnose kann dazu führen, dass frühere Erfahrungen plötzlich anders eingeordnet werden.
Aus:
„Ich war einfach faul.“
kann die Frage werden:
„Warum konnte ich bestimmte Aufgaben so schwer beginnen?“
„Ich war unglaublich schusselig.“
kann werden:
„Welche Rolle spielten Aufmerksamkeit und Arbeitsgedächtnis?“
Und aus:
„Ich war halt verträumt.“
kann die Frage entstehen:
„War das möglicherweise schon damals Teil eines größeren Musters?“
Dabei sollte eine rückblickende Erklärung nicht dazu führen, jede Schwierigkeit der Kindheit nachträglich ADHS zuzuschreiben.
Entscheidend ist das Gesamtbild.
Eine späte Diagnose verändert die Vergangenheit nicht. Sie kann aber verändern, wie die eigene Vergangenheit verstanden wird.
Ja. Gute Schulnoten, Abitur, Studium oder beruflicher Erfolg schließen ADHS nicht aus. Entscheidend ist nicht allein, welches Ergebnis erreicht wurde, sondern auch, wie dieses Ergebnis zustande kam und wie viel Unterstützung, Druck oder zusätzliche Anstrengung dafür notwendig waren.
Gerade Frauen, die erst im Erwachsenenalter über eine mögliche ADHS nachdenken, stellen sich häufig diese Frage:
„Wenn ich wirklich ADHS habe – wie konnte ich dann überhaupt so gut in der Schule sein?“
Dahinter steckt häufig die Vorstellung, dass ADHS zwangsläufig schlechte schulische Leistungen verursachen müsste.
So einfach ist es nicht.
ADHS beschreibt keine Intelligenz und keinen Bildungsabschluss.
Zwei Schülerinnen schreiben dieselbe gute Note.
Auf dem Zeugnis sieht das Ergebnis identisch aus.
Der Weg dorthin kann vollkommen unterschiedlich gewesen sein.
Die eine Schülerin hat eine Woche lang regelmäßig gelernt.
Die andere wollte ebenfalls eine Woche vorher anfangen.
Montag passiert nichts.
Dienstag auch nicht.
Mittwoch werden die Unterlagen sortiert.
Donnerstag wird plötzlich das Zimmer aufgeräumt.
Und am Abend vor der Prüfung entsteht endlich genügend Druck.
Dann wird bis spät in die Nacht hochkonzentriert gelernt.
Am nächsten Tag schreibt sie eine Zwei.
„Siehst du – wenn du willst, kannst du dich doch konzentrieren.“
Das Ergebnis ist gut.
Die Schwierigkeiten beim Beginnen, Planen und kontinuierlichen Arbeiten bleiben darin unsichtbar.
Schulische und akademische Leistung entsteht aus vielen verschiedenen Faktoren.
Gute Leistungen können beispielsweise unterstützt werden durch:
Keine dieser Fähigkeiten widerspricht einer ADHS.
Eine Person kann sehr leistungsfähig sein und gleichzeitig erhebliche Schwierigkeiten mit ihrer Selbstorganisation haben.
Ein besonders spannendes Thema bei ADHS ist die starke Abhängigkeit der Aufmerksamkeit von der jeweiligen Situation.
Eine Studentin kann drei Stunden konzentriert an einem Thema arbeiten, das sie begeistert.
Gleichzeitig kann eine zwanzigminütige Routineaufgabe seit Tagen unbearbeitet auf dem Schreibtisch liegen.
Von außen entsteht daraus schnell ein scheinbarer Widerspruch:
„Du kannst dich doch konzentrieren, wenn du willst.“
Die entscheidende Frage ist jedoch nicht nur, ob Konzentration möglich ist.
Interessanter ist:
Mehr dazu findest du unter ADHS und Konzentration und ADHS und Motivation.
ADHS bedeutet nicht, dass Konzentration grundsätzlich unmöglich ist. Die Regulation von Aufmerksamkeit kann das eigentliche Problem sein.
Manche Frauen entwickeln über Jahre ein erstaunlich zuverlässiges Muster:
Weil das Ergebnis häufig funktioniert, stabilisiert sich dieses Muster.
„Ich arbeite einfach am besten unter Druck.“
Vielleicht stimmt ein Teil davon.
Gleichzeitig lohnt sich die Frage, welchen Preis dieses System hat.
Eine Strategie kann funktionieren und trotzdem sehr viel Energie kosten.
Manche Frauen reagieren auf eigene Vergesslichkeit oder Fehler nicht mit weniger Kontrolle, sondern mit mehr Kontrolle.
Dann entstehen beispielsweise Regeln wie:
Das Ergebnis kann nach außen sehr gewissenhaft wirken.
Im Hintergrund entsteht möglicherweise ein erheblicher Kontrollaufwand.
Perfektionismus kann nach außen wie Organisation aussehen und sich innen wie permanente Überforderung anfühlen.
Perfektionismus gehört allerdings nicht zu den diagnostischen Kernsymptomen von ADHS.
Er kann unterschiedliche Ursachen haben und sollte nicht automatisch als Kompensation einer ADHS interpretiert werden.
Schule bietet häufig etwas, das später im Erwachsenenleben deutlich weniger vorhanden ist:
Struktur von außen.
Diese äußeren Rahmenbedingungen können Schwierigkeiten teilweise auffangen.
Später müssen immer mehr Entscheidungen selbst getroffen werden.
„Schreib die Aufgabe bis Freitag.“
wird im Berufsleben möglicherweise zu:
„Kümmere dich in den nächsten Wochen darum.“
Jetzt müssen Beginn, Priorität, Arbeitsschritte und Zeitplanung selbst organisiert werden.
Genau hier können Schwierigkeiten mit exekutiven Funktionen deutlicher werden.
Manche Frauen berichten, dass Schule noch vergleichsweise gut funktioniert hat.
Im Studium verändert sich plötzlich vieles.
Eine bisher funktionierende Kompensation kann dadurch an ihre Grenzen kommen.
„In der Schule war ich richtig gut. Im Studium habe ich plötzlich mein gesamtes System verloren.“
Das bedeutet nicht, dass ADHS erst im Studium entstanden ist.
Es kann bedeuten, dass die Anforderungen an die eigene Selbststeuerung deutlich gestiegen sind.
Ein Abschluss erzählt zunächst, dass ein Abschluss erreicht wurde.
Er erzählt nicht:
Deshalb sollte bei einer möglichen ADHS nicht ausschließlich nach sichtbaren Misserfolgen gesucht werden.
Beeinträchtigung bedeutet nicht zwangsläufig, dass jemand keine Leistung erbringen kann. Sie kann auch darin bestehen, dass normale Anforderungen unverhältnismäßig viel Kraft kosten.
Bei der Betrachtung der eigenen Schul- und Studienzeit können deshalb andere Fragen aufschlussreicher sein:
Auch diese Fragen stellen keine Diagnose.
Sie können aber dabei helfen, die eigene Entwicklung differenzierter zu betrachten.
Die entscheidende Frage lautet nicht nur: „Was hast du erreicht?“ Sondern auch: „Wie musstest du arbeiten, um es zu erreichen?“
Frauen mit ADHS können Strategien entwickeln, mit denen sie Schwierigkeiten im Alltag ausgleichen oder weniger sichtbar machen. Nach außen entsteht dadurch möglicherweise der Eindruck, alles funktioniere problemlos – während im Hintergrund erhebliche Anstrengung notwendig ist.
Im Zusammenhang mit ADHS wird dafür häufig der Begriff „Masking“ verwendet.
Allerdings sollten Masking und Kompensation nicht einfach gleichgesetzt werden.
Kompensation bedeutet zunächst, eine Schwierigkeit durch eine andere Strategie auszugleichen.
Masking beschreibt eher den Versuch, bestimmte Schwierigkeiten oder Verhaltensweisen nach außen weniger sichtbar werden zu lassen beziehungsweise sich stärker an Erwartungen der Umgebung anzupassen.
Nicht jede gute Strategie ist Masking. Und nicht jede Anpassung ist automatisch problematisch.
Kompensationsstrategien können ausgesprochen sinnvoll sein.
Wenn du beispielsweise Termine leicht vergisst, kann ein Kalender genau die richtige Unterstützung sein.
Wenn du Schwierigkeiten mit Zeitmanagement hast, können mehrere Erinnerungen helfen.
Wenn dein Arbeitsgedächtnis schnell überlastet ist, können Checklisten Informationen nach außen verlagern.
Typische Kompensationsstrategien können beispielsweise sein:
Eine gute Kompensationsstrategie nimmt deinem Gehirn Arbeit ab.
Genau deshalb können externe Strukturen bei ADHS ausgesprochen hilfreich sein.
Mehr dazu findest du unter ADHS und Struktur.
Schwieriger kann es werden, wenn ein System nicht mehr hauptsächlich entlastet, sondern ständig überwacht werden muss.
Das Ergebnis kann weiterhin sehr zuverlässig aussehen.
Gleichzeitig steigt der Aufwand.
„Niemand merkt, dass ich Schwierigkeiten habe. Weil ich mein gesamtes Leben darum gebaut habe, dass es niemand merkt.“
Masking kann unterschiedliche Formen annehmen.
Beispielsweise:
Nicht jede dieser Verhaltensweisen ist spezifisch für ADHS.
Menschen passen ihr Verhalten aus vielen unterschiedlichen Gründen an soziale Situationen an.
Masking ist kein diagnostisches Kriterium für ADHS.
Eine typische Alltagssituation kann beispielsweise so aussehen:
Jemand erklärt etwas.
Du hörst zu.
Dann fällt ein Begriff.
Dieser Begriff löst einen Gedanken aus.
Daraus entsteht ein zweiter Gedanke.
Einige Sekunden später merkst du:
„Ich habe überhaupt keine Ahnung, was gerade gesagt wurde.“
Statt nachzufragen, nickst du.
Vielleicht möchtest du nicht unaufmerksam wirken.
Vielleicht ist es dir unangenehm, schon wieder nachfragen zu müssen.
Vielleicht versuchst du anschließend, den fehlenden Inhalt aus dem Kontext zu rekonstruieren.
Nach außen fällt nichts auf.
Innerlich entsteht zusätzlicher Aufwand.
Was erfolgreich verborgen wird, kann für die betroffene Person trotzdem sehr belastend sein.
Manche Frauen versuchen Unsicherheit durch besonders intensive Vorbereitung auszugleichen.
Vor einem Meeting werden sämtliche Unterlagen mehrfach gelesen.
Vor einem Gespräch werden mögliche Antworten gedanklich durchgespielt.
Für eine Reise werden mehrere Listen geschrieben.
Vor einer Präsentation wird jedes Detail vorbereitet.
Das kann hervorragend funktionieren.
Die entscheidende Frage lautet wieder:
Hilft mir meine Vorbereitung – oder habe ich das Gefühl, ohne extreme Vorbereitung überhaupt nicht funktionieren zu können?
Schwierigkeiten mit Zeitmanagement führen nicht zwangsläufig dazu, dass jemand ständig zu spät kommt.
Manche Menschen entwickeln genau die gegenteilige Strategie.
Sie sind:
Von außen lautet die Beobachtung:
„Du hast doch überhaupt kein Problem mit Pünktlichkeit.“
Die innere Realität kann lauten:
„Ich bin nur deshalb pünktlich, weil ich enorme Angst davor habe, zu spät zu kommen.“
Mehr dazu findest du unter ADHS und Pünktlichkeit und ADHS und Zeitblindheit.
Wenn Fehler in der Vergangenheit häufig Kritik ausgelöst haben, kann der Wunsch entstehen, Fehler möglichst vollständig zu vermeiden.
„Ich möchte es gut machen.“
möglicherweise:
„Ich darf es erst abgeben, wenn es perfekt ist.“
Das kann wiederum dazu führen, dass:
Perfektionismus kann eine Strategie gegen Fehler sein – und gleichzeitig neue Schwierigkeiten erzeugen.
Stellen wir nur die Frage:
„Vergisst du häufig Termine?“
lautet die Antwort möglicherweise:
„Nein.“
Fragen wir genauer:
„Was musst du tun, damit du keinen Termin vergisst?“
lautet die Antwort vielleicht:
„Kalender, drei Erinnerungen, ein Zettel auf dem Schreibtisch und mein Partner erinnert mich zusätzlich.“
Genau deshalb kann es sinnvoll sein, nicht nur nach dem Ergebnis zu fragen.
Sondern auch nach den Strategien dahinter.
Eine erfolgreiche Kompensation kann eine Schwierigkeit ausgleichen. Sie beweist nicht, dass die Schwierigkeit nie vorhanden war.
Eine hilfreiche Kompensationsstrategie sollte idealerweise entlasten.
Deshalb lohnt sich bei bestehenden Strategien eine einfache Prüfung:
Eine Strategie, die täglich enorme Selbstkontrolle verlangt, kann zwar wirksam sein.
Sie ist möglicherweise trotzdem nicht besonders nachhaltig.
Die beste Kompensation ist nicht die, die deine Schwierigkeiten am erfolgreichsten versteckt. Hilfreicher ist eine Strategie, die deinen Alltag tatsächlich leichter macht.
Kalender, Routinen, Checklisten, Erinnerungen und feste Abläufe können ausgesprochen sinnvolle Hilfsmittel sein.
Es wäre deshalb falsch, nach einer ADHS-Diagnose sämtliche bisherigen Strategien als „Masking“ abzuwerten.
Sinnvoller ist eine differenzierte Frage:
„Welche meiner Strategien unterstützen mich – und welche kosten mich mehr Kraft, als sie mir zurückgeben?“
Genau dort kann der Unterschied zwischen hilfreicher Kompensation und dauerhaft belastender Anpassung besonders relevant werden.
Perfektionismus gehört nicht zu den diagnostischen Kernsymptomen von ADHS. Dennoch können manche Frauen mit ADHS einen starken Perfektionismus entwickeln – beispielsweise als Versuch, Vergesslichkeit, Unsicherheit, Fehler oder Schwierigkeiten mit der Selbstorganisation auszugleichen.
Auf den ersten Blick wirkt das widersprüchlich.
ADHS wird häufig mit Chaos, Flüchtigkeitsfehlern und Schwierigkeiten bei der Organisation verbunden.
Perfektionismus dagegen mit Kontrolle, Genauigkeit und hohen Ansprüchen.
Beides kann trotzdem gleichzeitig vorkommen.
Wer Angst davor hat, etwas zu vergessen, kann versuchen, alles zu kontrollieren. Wer häufig Fehler macht, kann versuchen, keine Fehler mehr zuzulassen.
Diese Unterscheidung ist wichtig.
Perfektionismus allein ist kein Hinweis darauf, dass eine Person ADHS hat.
Er kann bei Menschen mit und ohne ADHS auftreten und unterschiedliche Ursachen haben.
Bei manchen Menschen mit ADHS kann Perfektionismus jedoch eine Reaktion auf wiederkehrende Erfahrungen sein.
Daraus können persönliche Regeln entstehen.
„Ich darf keinen Fehler machen.“
„Ich muss alles im Griff haben.“
„Ich muss besser vorbereitet sein als andere.“
„Ich darf mir nichts anmerken lassen.“
Stell dir vor, du hast in der Vergangenheit häufiger wichtige Dinge vergessen.
Das ist unangenehm.
Vielleicht gab es Kritik.
Vielleicht hast du jemanden enttäuscht.
Vielleicht war dir die Situation peinlich.
Beim nächsten Mal kontrollierst du deshalb lieber zweimal.
Das funktioniert.
Also kontrollierst du künftig dreimal.
Irgendwann lautet die innere Regel:
„Wenn ich nicht alles kontrolliere, geht etwas schief.“
Aus einer hilfreichen Strategie kann dadurch ein sehr aufwendiges Kontrollsystem werden.
Kontrolle kann Fehler reduzieren. Sie kann aber auch sehr viel mentale Energie verbrauchen.
Eigentlich müsste eine perfektionistische Person Aufgaben besonders früh beginnen.
In der Realität kann genau das Gegenteil passieren.
Denn wenn eine Aufgabe perfekt werden muss, wird der Einstieg größer.
„Ich muss eine Präsentation erstellen.“
wird innerlich:
„Ich brauche eine außergewöhnlich gute Präsentation, muss alle Informationen kennen, darf nichts vergessen und sollte auf jede mögliche Frage vorbereitet sein.“
Die Aufgabe ist plötzlich riesig.
Und je größer eine Aufgabe erscheint, desto schwieriger kann der Einstieg werden.
Dann entsteht ein Kreislauf:
Manchmal wird eine Aufgabe nicht aufgeschoben, weil sie unwichtig ist. Sondern weil sie im Kopf zu groß geworden ist.
Schwierigkeiten mit dem Starten von Aufgaben können wiederum mit exekutiven Funktionen und Motivation bei ADHS zusammenhängen.
Perfektionistisches Denken zeigt sich häufig in sehr hohen Mindestanforderungen.
„Wenn ich aufräume, muss ich die ganze Wohnung aufräumen.“
„Wenn ich Sport mache, muss es mindestens eine Stunde sein.“
„Wenn ich die E-Mail beantworte, muss sie perfekt formuliert sein.“
„Wenn ich mich gesund ernähre, darf ich keine Ausnahme machen.“
Dadurch verschwinden kleine Lösungen.
Zehn Minuten aufräumen erscheinen wertlos.
Zwanzig Minuten Bewegung zählen nicht.
Eine kurze E-Mail wirkt nicht professionell genug.
Und wenn die perfekte Lösung nicht möglich ist, passiert möglicherweise gar nichts.
„Gut genug“ kann im Alltag funktionaler sein als „perfekt oder gar nicht“.
Eine Frau erscheint immer vorbereitet.
Sie vergisst kaum Termine.
Ihre Arbeit ist sehr sorgfältig.
Sie denkt an Geburtstage.
Sie beantwortet Nachrichten zuverlässig.
Sie übernimmt Verantwortung.
Von außen lautet die Bewertung:
„Du bist doch total organisiert.“
Unsichtbar bleibt möglicherweise:
Perfektionistische Strategien werden von außen häufig positiv bewertet.
Die Person hört:
Dieses Lob kann natürlich berechtigt sein.
Gleichzeitig kann daraus eine Erwartung entstehen:
„Ich muss weiterhin die Person sein, die alles im Griff hat.“
Fehler fühlen sich dann möglicherweise nicht mehr wie einzelne Fehler an.
Sie bedrohen das eigene Selbstbild.
Besonders belastend kann es werden, wenn der eigene Wert stark an Leistung gekoppelt wird.
Dann lautet die innere Rechnung möglicherweise:
„Wenn ich gute Arbeit leiste, bin ich kompetent.“
Aber:
„Wenn ich einen Fehler mache, stimmt etwas mit mir nicht.“
Aus einem konkreten Fehler wird dadurch schnell eine Bewertung der gesamten Person.
Statt:
„Ich habe einen Termin vergessen.“
entsteht:
„Ich bin unzuverlässig.“
„Ich habe diese Aufgabe aufgeschoben.“
„Ich bin faul.“
Gerade wiederholte negative Bewertungen können langfristig beeinflussen, wie eine Person sich selbst wahrnimmt.
Auch intensive emotionale Reaktionen auf Fehler oder Kritik können diesen Kreislauf zusätzlich belasten.
Ein Fehler beschreibt eine Situation. Er beschreibt nicht den Wert eines Menschen.
Viele Entscheidungen haben keine eindeutig perfekte Lösung.
Genau das kann schwierig werden.
Welche E-Mail-Formulierung ist die beste?
Welches Geschenk ist perfekt?
Welche Aufgabe sollte zuerst erledigt werden?
Welche Entscheidung werde ich später nicht bereuen?
Je stärker die Erwartung ist, die „richtige“ Entscheidung treffen zu müssen, desto mehr Optionen müssen gedanklich verglichen werden.
Das kann wiederum Arbeitsgedächtnis und Selbststeuerung beanspruchen.
Manche Entscheidungen werden nicht deshalb schwierig, weil es zu wenige Informationen gibt. Sondern weil keine Entscheidung perfekt genug erscheint.
Ein möglicher Umgang mit perfektionistischen Anforderungen besteht darin, vor einer Aufgabe bewusst das notwendige Ergebnis festzulegen.
Nicht:
„Wie mache ich das perfekt?“
„Was muss am Ende tatsächlich erfüllt sein?“
„Gut genug“ bedeutet nicht gleichgültig. Es bedeutet, Aufwand und Nutzen wieder in ein sinnvolles Verhältnis zu bringen.
Ein hoher Qualitätsanspruch kann eine Stärke sein.
Sorgfalt kann eine Stärke sein.
Gewissenhaftigkeit kann eine Stärke sein.
Relevant wird Perfektionismus vor allem dann, wenn er regelmäßig:
Deshalb kann eine andere Frage hilfreicher sein:
„Hilft mir mein hoher Anspruch dabei, gute Arbeit zu machen – oder brauche ich inzwischen gute Arbeit, um mich selbst als ausreichend zu erleben?“
Viele Frauen mit ADHS berichten von ausgeprägter Selbstkritik und einem belasteten Selbstwert. Diese sind keine diagnostischen Kernsymptome von ADHS, können sich aber über Jahre entwickeln, wenn Schwierigkeiten immer wieder als persönliches Versagen interpretiert werden.
Vielleicht beginnt diese Geschichte schon früh.
„Du musst dich einfach besser konzentrieren.“
„Warum vergisst du immer alles?“
„Du könntest so viel, wenn du dich nur mehr anstrengen würdest.“
„Warum bekommst du das nicht einfach hin?“
Wenn solche Rückmeldungen immer wieder auftauchen, können sie irgendwann Teil des eigenen Selbstbildes werden.
Aus „Ich habe Schwierigkeiten mit dieser Aufgabe“ kann irgendwann „Ich bin das Problem“ werden.
Ein wichtiger Unterschied liegt zwischen einer konkreten Beobachtung und einer globalen Bewertung.
Eine Beobachtung wäre:
„Ich habe den Termin vergessen.“
Eine Bewertung lautet:
„Meine Wohnung ist gerade chaotisch.“
„Ich bin ein chaotischer Mensch.“
„Ich habe mit der Aufgabe zu spät angefangen.“
Genau diese Verschiebung kann langfristig problematisch werden.
Ein Verhalten beschreibt etwas, das passiert ist. Es definiert nicht automatisch, wer du bist.
Es müssen nicht immer große Lebenskrisen sein.
Manchmal sind es die kleinen Situationen, die sich über Jahre wiederholen.
Jede einzelne Situation mag klein erscheinen.
In der Summe können daraus jedoch Überzeugungen entstehen wie:
„Auf mich kann man sich nicht verlassen.“
„Andere bekommen ihr Leben besser hin.“
„Ich bin einfach nicht diszipliniert genug.“
Dabei können hinter einzelnen Schwierigkeiten beispielsweise exekutive Funktionen, Arbeitsgedächtnis oder Aufmerksamkeitssteuerung stehen.
Menschen mit ADHS können in manchen Situationen außergewöhnlich leistungsfähig sein.
Genau das kann Missverständnisse erzeugen.
Gestern wurde drei Stunden konzentriert an einem interessanten Projekt gearbeitet.
Heute gelingt es seit einer Stunde nicht, eine kurze E-Mail zu beantworten.
Von außen kann daraus die Schlussfolgerung entstehen:
„Dann willst du es heute offenbar einfach nicht.“
Für die betroffene Person kann die Schlussfolgerung irgendwann ähnlich aussehen:
„Wenn ich es manchmal kann, müsste ich es eigentlich immer können.“
Genau hier kann ein problematischer Kreislauf entstehen.
Mehr zu den unterschiedlichen Aktivierungsbedingungen findest du unter ADHS und Motivation.
Schwierigkeiten mit Selbststeuerung sind nicht dasselbe wie fehlender Wille.
Besonders schwierig wird es, wenn scheinbar einfache Alltagstätigkeiten betrachtet werden.
Andere Menschen scheinen:
Dann entsteht schnell die Frage:
„Warum ist etwas, das für andere so einfach aussieht, für mich so schwer?“
Das Problem an diesem Vergleich:
Wir sehen bei anderen meist das Ergebnis.
Wir erleben bei uns selbst den gesamten Prozess.
Du vergleichst möglicherweise die sichtbare Ordnung anderer mit deinem eigenen inneren Aufwand.
Selbstkritik kann zunächst sogar funktionieren.
„Jetzt reiß dich endlich zusammen.“
Der Druck steigt.
Die Aufgabe wird erledigt.
Dadurch kann das Gehirn lernen:
„Offenbar brauche ich Druck, damit ich funktioniere.“
Beim nächsten Mal wird der Druck erneut erzeugt.
Vielleicht durch:
Kurzfristig kann das Verhalten aktivieren.
Langfristig kann ein Alltag, der überwiegend über Druck organisiert wird, jedoch sehr belastend sein.
Eine Strategie ist nicht automatisch gesund, nur weil sie funktioniert.
Wenn Kritik, Fehler oder Konflikte emotional sehr intensiv erlebt werden, kann eine kleine Situation lange nachwirken.
Ein kritischer Satz im Meeting dauert vielleicht zehn Sekunden.
Im Kopf läuft er anschließend mehrere Stunden weiter.
„Warum habe ich das gesagt?“
„Was denken die jetzt über mich?“
„Ich hätte anders reagieren müssen.“
Dadurch kann aus einem konkreten Ereignis eine lange Phase der Selbstbewertung entstehen.
Mehr zu diesem Bereich findest du unter ADHS und Emotionen.
Für manche spät diagnostizierten Frauen ist die Diagnose deshalb nicht nur eine medizinische Information.
Sie verändert möglicherweise die Fragen, die sie sich selbst stellen.
„Warum bin ich so undiszipliniert?“
„Unter welchen Bedingungen gelingt mir Selbststeuerung besser?“
„Warum bin ich so chaotisch?“
„Welche äußere Struktur hilft mir, weniger im Kopf behalten zu müssen?“
„Warum bekomme ich mein Leben nicht einfach hin?“
„Welche Anforderungen kosten mich besonders viel Selbststeuerung?“
Das bedeutet nicht, jede Schwierigkeit nachträglich ausschließlich mit ADHS zu erklären.
Es bedeutet, möglicherweise eine zusätzliche Erklärungsebene zu bekommen.
Eine Diagnose sollte nicht erklären, wer du bist. Sie kann helfen zu verstehen, warum bestimmte Dinge für dich anders funktionieren.
Ein hilfreiches Verständnis von ADHS liegt weder in Selbstvorwürfen noch darin, jedes Verhalten mit der Diagnose zu entschuldigen.
„Ich bin schuld, weil ich einfach nicht diszipliniert genug bin.“
„Ich kann nichts dafür, ich habe eben ADHS.“
kann eine konstruktivere Perspektive lauten:
„Diese Schwierigkeit hängt möglicherweise mit meiner ADHS zusammen. Was kann ich verändern, damit ich künftig besser damit umgehen kann?“
Damit verschiebt sich der Fokus.
Weg von Schuld.
Hin zu Verständnis, Verantwortung und konkreten Handlungsmöglichkeiten.
ADHS kann reale Probleme verursachen.
Vergessene Termine können andere Menschen belasten.
Impulsive Reaktionen können verletzen.
Aufgeschobene Aufgaben können Konsequenzen haben.
Schwierigkeiten anzuerkennen bedeutet jedoch nicht, sich selbst abzuwerten.
Du kannst Verantwortung für dein Verhalten übernehmen, ohne deinen Wert als Mensch davon abhängig zu machen.
Genau diese Trennung kann für Frauen wichtig werden, die viele Jahre versucht haben, ihre Schwierigkeiten hauptsächlich durch noch mehr Anstrengung und Selbstkritik zu kontrollieren.
Wenn etwas wiederholt nicht funktioniert, beginnt Selbstwertarbeit nicht zwangsläufig mit positivem Denken.
Manchmal beginnt sie mit einer besseren Frage.
„Warum bekomme ich das schon wieder nicht hin?“
„Was genau macht diese Situation für mich schwierig – und welche Unterstützung würde die Anforderung kleiner machen?“
Aus Selbstbewertung wird dadurch Problemlösung.
„Ich bin das Problem.“
kann langsam werden:
„Ich habe ein Problem, das ich genauer verstehen und verändern kann.“
ADHS kann Frauen im Berufsleben sehr unterschiedlich beeinflussen. Schwierigkeiten können besonders bei Priorisierung, Zeitmanagement, Routineaufgaben, Unterbrechungen und Selbstorganisation entstehen – gleichzeitig können Interesse, Kreativität, schnelle Ideen und intensive Konzentrationsphasen wichtige Ressourcen sein.
Auch hier gibt es nicht die typische Arbeitnehmerin mit ADHS.
Eine Frau kämpft täglich mit E-Mails und Dokumentation.
Eine andere organisiert komplexe Projekte hervorragend, vergisst aber regelmäßig kleine administrative Aufgaben.
Eine dritte arbeitet in Krisensituationen außergewöhnlich konzentriert und verliert bei Routineaufgaben schnell den Fokus.
ADHS im Beruf bedeutet nicht automatisch geringe Leistungsfähigkeit. Häufig ist entscheidend, unter welchen Arbeitsbedingungen Leistung abgerufen werden muss.
Ein Arbeitstag besteht selten nur aus einer Tätigkeit.
Vielleicht macht der zentrale Teil des Berufs große Freude.
Gleichzeitig gehören dazu:
Genau diese weniger stimulierenden Tätigkeiten können unverhältnismäßig viel Überwindung verlangen.
„Ich kann drei Stunden an einem komplexen Problem arbeiten. Aber diese eine E-Mail liegt seit vier Tagen da.“
Mehr zu diesem Unterschied findest du unter ADHS und Motivation.
Manchmal besteht das Problem nicht darin, zu wenig zu arbeiten.
Sondern darin, die richtige Aufgabe zur richtigen Zeit auszuwählen.
Morgens warten:
Jetzt muss das Gehirn entscheiden:
„Was davon ist wirklich wichtig?“
Eine neue E-Mail wirkt möglicherweise dringender als die wichtige Aufgabe für morgen.
Eine interessante Aufgabe zieht stärker als eine relevante Routineaufgabe.
Eine schnelle Aufgabe fühlt sich attraktiver an als ein komplexes Projekt.
Dadurch kann ein Arbeitstag sehr aktiv sein, ohne dass die wichtigste Aufgabe ausreichend vorankommt.
Beschäftigt zu sein und priorisiert zu arbeiten sind nicht dasselbe.
Hier spielen unter anderem exekutive Funktionen eine wichtige Rolle.
Eine Aufgabe ist endlich begonnen.
Die Konzentration ist da.
Dann:
„Hast du kurz eine Minute?“
Danach kommt eine Nachricht.
Anschließend klingelt das Telefon.
Dann erscheint eine neue E-Mail.
Das Problem ist nicht nur die Dauer der Unterbrechung.
Zusätzlich muss die ursprüngliche Aufgabe wieder aufgenommen werden.
Dabei müssen Informationen erneut aktiviert werden:
Gerade bei hoher Beanspruchung des Arbeitsgedächtnisses können häufige Unterbrechungen deshalb besonders anstrengend sein.
Eine zweiminütige Unterbrechung kann deutlich mehr als zwei Minuten Konzentration kosten.
Kolleginnen sprechen.
Ein Telefon klingelt.
Jemand läuft am Schreibtisch vorbei.
Auf dem Bildschirm erscheint eine Nachricht.
Im Hintergrund findet ein Meeting statt.
Gleichzeitig soll ein komplexer Text geschrieben werden.
Je mehr Reize gleichzeitig um Aufmerksamkeit konkurrieren, desto schwieriger kann konzentriertes Arbeiten werden.
Mögliche Entlastungen können je nach Arbeitsplatz beispielsweise sein:
Konzentration ist nicht nur eine Frage der Person. Auch die Arbeitsumgebung beeinflusst, wie viel Aufmerksamkeit gesteuert werden muss.
Ein Projekt liegt seit drei Wochen auf dem Schreibtisch.
Die Deadline ist bekannt.
Trotzdem passiert wenig.
Zwei Tage vor Abgabe verändert sich etwas.
Plötzlich entsteht Fokus.
Entscheidungen fallen schneller.
Ablenkungen werden weniger interessant.
Die Arbeit läuft.
„Warum kann ich nicht immer so arbeiten?“
Zeitdruck kann die subjektive Dringlichkeit einer Aufgabe stark erhöhen und dadurch die Aktivierung verändern.
Das kann kurzfristig sehr effektiv sein.
Als dauerhaftes Arbeitssystem kann es jedoch hohe Kosten haben.
Eine Deadline kann Aktivierung erzeugen. Sie sollte nicht das einzige Werkzeug sein, mit dem Arbeit überhaupt möglich wird.
Manche Menschen mit ADHS beschreiben Phasen sehr intensiver Konzentration auf interessante Tätigkeiten.
Umgangssprachlich wird dafür häufig der Begriff „Hyperfokus“ verwendet.
Dann kann eine Person:
Gleichzeitig kann es schwierig werden, die Aufmerksamkeit wieder zu lösen.
Dann werden möglicherweise:
Intensive Konzentration ist nicht automatisch gute Aufmerksamkeitssteuerung. Zur Steuerung gehört auch, Aufmerksamkeit wieder lösen zu können.
ADHS sollte nicht romantisiert werden.
Gleichzeitig wäre es ebenso einseitig, ausschließlich Schwierigkeiten zu betrachten.
Manche Frauen mit ADHS erleben Eigenschaften, die in bestimmten beruflichen Situationen hilfreich sein können.
Dazu können individuell beispielsweise gehören:
Diese Eigenschaften sind keine diagnostischen ADHS-Symptome und nicht bei jeder Person mit ADHS vorhanden.
ADHS ist weder eine Superkraft noch eine reine Sammlung von Defiziten. Entscheidend ist, wie individuelle Eigenschaften auf die Anforderungen der jeweiligen Umgebung treffen.
Besonders bei beruflich erfolgreichen Frauen kann eine mögliche ADHS lange übersehen werden.
Denn sichtbar sind:
Weniger sichtbar sind möglicherweise:
Beruflicher Erfolg beantwortet nicht automatisch die Frage, wie nachhaltig dieser Erfolg erreicht wird.
Eine Führungsposition kann sowohl passende als auch schwierige Anforderungen enthalten.
Interessant können beispielsweise sein:
Manche dieser Bedingungen können stimulierend wirken.
Andere erhöhen die Anforderungen an Planung und Selbststeuerung erheblich.
Je mehr Verantwortung eine Position bietet, desto wichtiger wird häufig ein funktionierendes externes Organisationssystem.
Es gibt keinen Arbeitsplatz, der für alle Menschen mit ADHS ideal ist.
Hilfreich können individuell beispielsweise sein:
Das Ziel ist dabei nicht, jede Ablenkung aus dem Leben zu entfernen.
Vielmehr geht es darum, unnötige Anforderungen an die Selbststeuerung zu reduzieren.
Ein guter Arbeitsplatz verlangt nicht jeden Tag maximale Selbstkontrolle, damit du funktionieren kannst.
Bei beruflicher ADHS wird häufig zuerst nach Leistung gefragt.
Wurden die Aufgaben erledigt?
Wurde die Deadline eingehalten?
Funktioniert die Person im Beruf?
Zusätzlich lohnt sich eine andere Perspektive.
Die Frage ist nicht nur, ob du deinen Beruf schaffst. Die Frage ist auch, ob die Art, wie du ihn schaffst, langfristig tragfähig ist.
ADHS kann Beziehungen beeinflussen – zum Beispiel durch Vergesslichkeit, Impulsivität, Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit, Organisation und emotionaler Regulation. Gleichzeitig ist ADHS keine Erklärung für jedes Beziehungsproblem und keine Rechtfertigung für verletzendes Verhalten.
Besonders schwierig wird es, wenn beide Personen dasselbe Verhalten vollkommen unterschiedlich interpretieren.
Die eine Person erlebt:
„Ich habe es vergessen.“
Bei der anderen kommt an:
„Es war dir nicht wichtig genug.“
„Ich bin im Gespräch abgeschweift.“
„Du interessierst dich nicht für mich.“
Genau hier können aus neuropsychologischen Schwierigkeiten sehr persönliche Konflikte entstehen.
Das Verhalten ist sichtbar. Die Ursache dahinter muss es nicht sein.
In Beziehungen sind viele Informationen emotional bedeutsam.
Wird etwas davon vergessen, entsteht schnell eine emotionale Interpretation.
„Wenn es dir wirklich wichtig wäre, würdest du dich daran erinnern.“
Genau diese Gleichung ist problematisch.
Erinnern und Bedeutung sind nicht dasselbe.
Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit und Arbeitsgedächtnis können dazu führen, dass wichtige Informationen nicht zuverlässig verfügbar bleiben.
Mehr dazu findest du unter ADHS und Vergesslichkeit.
Etwas zu vergessen bedeutet nicht automatisch, dass es einem Menschen unwichtig ist.
Ein Gespräch beginnt.
Die Partnerin hört aufmerksam zu.
Dieser löst einen Gedanken aus.
Daraus entsteht der nächste Gedanke.
Wenige Sekunden später kommt die Aufmerksamkeit zurück.
Ein Teil des Gesprächs fehlt.
Von außen sieht das möglicherweise aus wie Desinteresse.
Für die betroffene Person kann es eine Schwierigkeit der Aufmerksamkeitssteuerung sein.
„Ich habe gerade nicht zugehört“ und „Ich möchte dir nicht zuhören“ sind zwei unterschiedliche Aussagen.
Trotzdem bleibt die Wirkung auf die andere Person real.
Deshalb reicht es in einer Beziehung nicht immer aus, nur die Ursache zu verstehen.
Es braucht auch Strategien für den Umgang damit.
In emotionalen Gesprächen kann zwischen Gefühl und Reaktion nur wenig Zeit liegen.
Ein Satz trifft.
Die Antwort kommt sofort.
Vielleicht lauter als beabsichtigt.
Vielleicht schärfer als beabsichtigt.
Wenige Minuten später entsteht:
„Warum habe ich das gerade gesagt?“
Impulsivität kann sich auch in Kommunikation zeigen.
Mehr dazu findest du unter ADHS und Impulsivität.
ADHS kann erklären, warum eine Pause zwischen Impuls und Reaktion schwieriger sein kann. Es nimmt jedoch nicht die Verantwortung dafür, wie mit anderen Menschen umgegangen wird.
Manche Erwachsene mit ADHS berichten von schnell ansteigenden und intensiv erlebten Emotionen.
Dann kann eine kleine Bemerkung eine große Reaktion auslösen.
Ein Konflikt, der objektiv wenige Minuten dauert, kann emotional noch lange weiterlaufen.
Gedanken kreisen:
„Was hat er damit gemeint?“
„Warum habe ich so reagiert?“
„Ist jetzt alles zwischen uns anders?“
Mehr zu emotionaler Regulation findest du unter ADHS und Emotionen.
Auch hier gilt:
Intensive emotionale Reaktionen sind nicht spezifisch für ADHS.
Eine Erklärung für starke Gefühle ist nicht dasselbe wie eine Rechtfertigung für verletzendes Verhalten.
Viele Konflikte entstehen nicht bei großen Lebensentscheidungen.
Sie entstehen beim Geschirrspüler.
Bei der Wäsche.
Beim Einkauf.
Bei Terminen.
Bei der Frage:
„Wer sollte eigentlich daran denken?“
Wenn Aufgaben regelmäßig vergessen oder begonnen und nicht beendet werden, kann sich beim anderen Menschen Frustration aufbauen.
Aus einzelnen Situationen kann eine allgemeine Bewertung werden:
„Ich muss mich um alles kümmern.“
„Ich kann mich auf dich nicht verlassen.“
Gerade hier können klare externe Strukturen hilfreicher sein als wiederholte mündliche Erinnerungen.
Eine gute Vereinbarung beantwortet nicht nur „Was muss gemacht werden?“, sondern auch „Wer denkt daran?“
Wenn eine Person regelmäßig erinnert, kontrolliert und Aufgaben übernimmt, kann sich die Rollenverteilung langsam verändern.
Eine Person wird zunehmend zur Organisatorin.
Die andere wird zunehmend organisiert.
Dann entstehen Sätze wie:
„Hast du daran gedacht?“
„Hast du das schon erledigt?“
„Ich habe dich doch dreimal erinnert.“
Langfristig kann das für beide Seiten belastend sein.
Die eine Person fühlt sich verantwortlich für alles.
Die andere fühlt sich kontrolliert oder bevormundet.
Unterstützung sollte Verantwortung erleichtern – nicht Verantwortung dauerhaft ersetzen.
Besonders komplex wird das Thema, wenn zur sichtbaren Arbeit noch unsichtbare Organisationsarbeit kommt.
Diese Aufgaben verlangen viel Planung und Arbeitsgedächtnis.
Gleichzeitig sollte nicht automatisch angenommen werden, dass jede Frau diese Aufgaben übernimmt oder übernehmen muss.
Rollenverteilungen unterscheiden sich zwischen Beziehungen und Familien erheblich.
ADHS und gesellschaftliche Rollen sind zwei unterschiedliche Ebenen – im Alltag können sie sich jedoch gegenseitig beeinflussen.
Ein Satz wie:
„Du hast das schon wieder vergessen.“
bezieht sich zunächst auf eine konkrete Situation.
Für eine Person, die seit ihrer Kindheit ähnliche Rückmeldungen gehört hat, kann er jedoch sehr viel größer wirken.
Innerlich wird daraus möglicherweise:
„Ich mache wieder alles falsch.“
„Ich bin einfach nicht zuverlässig genug.“
Dadurch kann die emotionale Reaktion stärker ausfallen, als die aktuelle Situation allein erwarten ließe.
Manchmal streiten zwei Menschen über den heutigen Termin – während innerlich gleichzeitig zwanzig Jahre Selbstkritik mit am Tisch sitzen.
Nach einer Diagnose kann die Versuchung entstehen, viele Konflikte neu unter ADHS einzuordnen.
Das kann hilfreich sein.
Es kann aber auch zu weit gehen.
Nicht jede:
entsteht durch ADHS.
ADHS kann Teil einer Beziehungsdynamik sein. Die Beziehung besteht trotzdem aus zwei individuellen Menschen – nicht aus einer Diagnose und einem Partner.
Hilfreich können beispielsweise sein:
„Du musst einfach zuverlässiger sein.“
kann eine konkretere Vereinbarung beispielsweise lauten:
„Alle gemeinsamen Termine kommen sofort in unseren Kalender.“
„Du hörst mir nie zu.“
kann es heißen:
„Das ist mir wichtig. Können wir für zehn Minuten die Handys weglegen und darüber sprechen?“
Je konkreter eine Vereinbarung ist, desto weniger muss sie später aus dem Gedächtnis und aus guten Vorsätzen rekonstruiert werden.
Für Beziehungen kann es entlastend sein, ADHS-bezogene Mechanismen zu verstehen.
Denn aus:
„Du machst das, weil ich dir nicht wichtig bin.“
kann zunächst die Frage werden:
„Was genau passiert hier eigentlich?“
Danach bleibt jedoch ein zweiter Schritt:
„Was machen wir jetzt damit?“
Genau diese Kombination ist entscheidend.
Verständnis erklärt Verhalten. Verantwortung verändert Verhalten.
Haushalt und Mental Load können für Frauen mit ADHS besonders anstrengend sein, weil dabei viele kleine Aufgaben gleichzeitig geplant, erinnert, priorisiert und abgeschlossen werden müssen. Genau diese Anforderungen beanspruchen Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis und exekutive Funktionen.
Haushalt und Familienorganisation sind keine „Frauenaufgaben“.
Wer welche Aufgaben übernimmt, hängt von der individuellen Lebens- und Beziehungssituation ab.
In vielen Familien und Partnerschaften übernehmen Frauen jedoch einen relevanten Anteil der sichtbaren und unsichtbaren Organisationsarbeit.
Trifft diese Verantwortung auf ADHS-bedingte Schwierigkeiten mit Selbstorganisation, kann daraus eine besondere Belastung entstehen.
Mental Load bedeutet nicht nur, Dinge zu erledigen. Es bedeutet auch, daran denken zu müssen, dass sie erledigt werden müssen.
Viele Aufgaben bestehen aus einem sichtbaren und einem unsichtbaren Teil.
Beispiel:
„Das Kind braucht neue Sportschuhe.“
Die sichtbare Handlung lautet:
„Sportschuhe kaufen.“
Im Hintergrund können jedoch viele weitere Schritte stehen:
Eine scheinbar kleine Aufgabe besteht plötzlich aus vielen Einzelschritten.
Die sichtbare Aufgabe ist oft nur der letzte Schritt einer langen unsichtbaren Gedankenkette.
Mental Load verlangt, dass offene Aufgaben mental verfügbar bleiben.
Das kann bedeuten:
Genau hier können exekutive Funktionen und das Arbeitsgedächtnis stark beansprucht werden.
Je mehr Dinge gleichzeitig nur im Kopf organisiert werden, desto größer wird die Belastung für ein System, das ohnehin Schwierigkeiten mit Arbeitsgedächtnis und Selbststeuerung haben kann.
„Haushalt machen“ klingt wie eine Tätigkeit.
Tatsächlich besteht Haushalt aus vielen voneinander unabhängigen Aufgaben.
Jede dieser Tätigkeiten hat einen eigenen Startpunkt und einen eigenen Abschluss.
Genau deshalb können im Haushalt besonders viele offene Handlungsschleifen entstehen.
Das Problem ist nicht unbedingt „der Haushalt“. Das Problem können zwanzig kleine Aufgaben sein, die alle gleichzeitig Aufmerksamkeit verlangen.
Die Wäsche soll weggeräumt werden.
Auf dem Weg ins Schlafzimmer fällt ein Glas auf.
Das Glas wird in die Küche gebracht.
Dort steht der Geschirrspüler offen.
Also wird kurz Geschirr eingeräumt.
Dabei fällt auf, dass die Mülltüte voll ist.
Der Müll wird herausgebracht.
Zwanzig Minuten später steht der Wäschekorb noch immer im Flur.
„Ich war die ganze Zeit beschäftigt. Warum ist trotzdem nichts fertig?“
Ablenkbarkeit und Schwierigkeiten, nach einer Unterbrechung zur ursprünglichen Aufgabe zurückzukehren, können genau solche Situationen begünstigen.
Das bedeutet nicht, dass nichts getan wurde.
Es bedeutet, dass mehrere Aufgaben begonnen wurden, ohne einen klaren Abschluss zu erreichen.
Viele angefangene Aufgaben können sich am Ende wie „nichts geschafft“ anfühlen.
Die Waschmaschine ist fertig.
Solange niemand daran erinnert, bleibt die Wäsche möglicherweise dort.
Eine Rechnung wird in eine Schublade gelegt.
Danach ist sie nicht mehr sichtbar.
Lebensmittel stehen hinten im Kühlschrank.
Sie werden beim nächsten Einkauf erneut gekauft.
Dinge, die nicht mehr sichtbar oder durch einen äußeren Hinweis präsent sind, können leichter aus dem aktuellen Aufmerksamkeitsfokus verschwinden.
Das bedeutet nicht, dass Menschen mit ADHS grundsätzlich nur mit offenen Regalen leben sollten.
Zu viele sichtbare Gegenstände können wiederum Reizüberflutung begünstigen.
Die Lösung ist nicht maximale Sichtbarkeit. Die Lösung ist funktionale Sichtbarkeit.
Viele Aufgaben im Haushalt haben eine besondere Eigenschaft:
Sie bleiben nie dauerhaft erledigt.
Heute ist die Küche sauber.
Morgen wird wieder gekocht.
Heute ist die Wäsche fertig.
Zwei Tage später wartet die nächste Maschine.
Der Erfolg ist deshalb häufig nur kurz sichtbar.
Gerade monotone, wiederkehrende Tätigkeiten können bei ADHS schwer aktivierend sein.
Eine Aufgabe, die morgen wiederkommt, kann sich weniger belohnend anfühlen als ein Projekt mit einem klaren Abschluss.
In Partnerschaften entsteht deshalb manchmal ein Missverständnis.
Eine Person sagt:
„Sag mir doch einfach, was ich machen soll.“
Das klingt zunächst nach Unterstützung.
Die Planung bleibt dadurch jedoch weiterhin bei der anderen Person.
Sie muss:
Das ist ein wichtiger Unterschied zwischen:
„eine Aufgabe ausführen“
und:
„für eine Aufgabe verantwortlich sein“.
Entlastung entsteht nicht nur dadurch, Arbeit zu teilen. Auch Verantwortung und Erinnerungsarbeit können geteilt werden.
Besonders anstrengend kann es werden, wenn eine Frau mit ADHS für einen großen Teil der Familienorganisation verantwortlich ist.
Dann müssen möglicherweise gleichzeitig im Blick bleiben:
Jede einzelne Aufgabe ist möglicherweise machbar.
Die Schwierigkeit entsteht durch die Summe.
Nicht immer ist eine Aufgabe zu groß. Manchmal sind einfach zu viele kleine Aufgaben gleichzeitig offen.
Ein wichtiger Grundsatz kann deshalb lauten:
Nutze dein Gedächtnis zum Denken – nicht als dauerhaften Aufbewahrungsort für Aufgaben.
Das Ziel besteht nicht darin, ein möglichst kompliziertes Organisationssystem aufzubauen.
Im Gegenteil.
Ein gutes System speichert Informationen außerhalb deines Kopfes und verlangt möglichst wenige zusätzliche Entscheidungen.
In Familien oder Partnerschaften kann es hilfreich sein, Verantwortungsbereiche möglichst klar zu verteilen.
Nicht nur:
„Kannst du morgen die Sportschuhe kaufen?“
Sondern beispielsweise:
„Du übernimmst ab jetzt den Bereich Sportausrüstung der Kinder.“
Dann gehören idealerweise auch dazu:
Dadurch wird nicht nur die sichtbare Handlung verteilt.
Auch ein Teil der mentalen Verantwortung wird übertragen.
Eine Aufgabe wirklich abzugeben bedeutet auch, nicht mehr selbst dafür verantwortlich sein zu müssen, daran zu denken.
Gerade wenn zusätzlich Perfektionismus vorhanden ist, kann Haushalt zu einer nahezu unendlichen Aufgabe werden.
Dann lautet das Ziel:
„Alles muss ordentlich sein.“
Hilfreicher kann eine funktionale Definition sein.
Funktional ist wichtiger als perfekt.
Gerade bei ADHS kann es hilfreich sein, Mental Load nicht als unsichtbaren Bestandteil des Alltags hinzunehmen.
Stattdessen kann konkret betrachtet werden:
Dadurch wird aus einem diffusen:
„Ich muss an alles denken.“
eine konkrete Organisationsfrage.
Mental Load wird leichter veränderbar, wenn unsichtbare Aufgaben sichtbar gemacht werden.
Mutterschaft verursacht keine ADHS. Elternschaft kann jedoch die Anforderungen an Planung, Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis, Zeitmanagement und emotionale Regulation erheblich erhöhen – und dadurch bereits bestehende ADHS-Schwierigkeiten deutlicher sichtbar machen.
Vor der Geburt eines Kindes muss eine Frau möglicherweise hauptsächlich ihren eigenen Alltag organisieren.
Danach kommt ein zweites Leben hinzu.
Später vielleicht ein drittes.
Plötzlich müssen nicht mehr nur die eigenen Termine, Bedürfnisse und Aufgaben berücksichtigt werden.
Gleichzeitig laufen:
Manchmal wird ADHS nicht plötzlich stärker. Manchmal werden die Anforderungen einfach größer als die bisherigen Kompensationsstrategien.
Ein Kind braucht morgen Sportsachen.
Das andere hat nächste Woche einen Zahnarzttermin.
Für den Kindergarten muss noch ein Formular unterschrieben werden.
Am Freitag ist Kindergeburtstag.
Gleichzeitig wartet eine berufliche Aufgabe.
Und irgendwann taucht die Frage auf:
„Wann war eigentlich mein eigener Termin?“
Jede einzelne Information ist überschaubar.
Die Schwierigkeit entsteht häufig durch die Menge und Gleichzeitigkeit.
Besonders das Arbeitsgedächtnis kann dadurch stark beansprucht werden.
Ein voller Kopf entsteht nicht nur durch große Probleme. Auch hundert kleine offene Aufgaben können ihn füllen.
Viele ADHS-Strategien funktionieren besonders gut, wenn Abläufe vorhersehbar sind.
Kinder sind allerdings nicht immer vorhersehbar.
Das Kind ist krank.
Die Brotdose liegt noch zu Hause.
Der Bus wurde verpasst.
Die Hausaufgaben dauern länger.
Kurz vor dem Losgehen fällt auf:
„Mama, ich brauche heute noch zehn Euro für den Ausflug.“
Jeder dieser Momente verlangt eine kurzfristige Anpassung.
Gleichzeitig muss die ursprüngliche Planung im Kopf erhalten oder neu organisiert werden.
Je häufiger ein Plan unterbrochen wird, desto häufiger muss das Gehirn neu priorisieren.
Genau diese flexible Steuerung gehört zu den Bereichen, bei denen exekutive Funktionen eine wichtige Rolle spielen.
Eine E-Mail wird begonnen.
Dann ruft ein Kind.
Die E-Mail bleibt offen.
Danach wird das Essen vorbereitet.
Das Telefon klingelt.
Anschließend muss jemand abgeholt werden.
Zwei Stunden später fällt die offene E-Mail wieder auf.
„Was wollte ich eigentlich schreiben?“
Elternschaft kann aus vielen kurzen Unterbrechungen bestehen.
Für Menschen, denen der Wiedereinstieg nach Unterbrechungen schwerfällt, kann genau das besonders anstrengend sein.
Die Belastung liegt nicht nur in der Unterbrechung. Sie liegt auch darin, immer wieder zur ursprünglichen Aufgabe zurückfinden zu müssen.
Der Fernseher läuft.
Ein Kind erzählt etwas.
Das andere sucht seine Schuhe.
In der Küche piept ein Gerät.
Gleichzeitig kommt eine Nachricht auf dem Smartphone.
Und jemand fragt:
„Mama, hörst du mir überhaupt zu?“
In solchen Situationen konkurrieren mehrere Reize gleichzeitig um Aufmerksamkeit.
Das kann zu:
Überforderung bedeutet nicht automatisch, dass die eigenen Kinder zu viel sind. Manchmal sind schlicht zu viele Reize gleichzeitig vorhanden.
Kinder regulieren ihre Gefühle noch nicht wie Erwachsene.
Sie werden wütend.
Sie weinen.
Sie protestieren.
Sie brauchen Unterstützung.
Gleichzeitig kann die Mutter selbst müde, überreizt oder emotional angespannt sein.
Dann treffen möglicherweise zwei hoch aktivierte Nervensysteme aufeinander.
„Ich weiß, dass ich ruhig bleiben sollte. Aber in diesem Moment schaffe ich es einfach nicht.“
Manche Erwachsene mit ADHS berichten von Schwierigkeiten, intensive Emotionen schnell zu regulieren.
Emotionale Dysregulation ist allerdings kein eigenständiges diagnostisches Kernkriterium der ADHS.
Regulation wird besonders schwierig, wenn die eigenen Ressourcen bereits fast aufgebraucht sind.
Zusätzlich zu den praktischen Anforderungen können hohe eigene Erwartungen entstehen.
Das Kind soll gesund essen.
Die Wohnung soll ordentlich sein.
Geburtstage sollen liebevoll vorbereitet werden.
In der Schule soll nichts vergessen werden.
Die gemeinsame Zeit soll hochwertig sein.
Beruflich soll ebenfalls alles funktionieren.
Und natürlich sollte man dabei möglichst geduldig und entspannt bleiben.
„Andere Mütter bekommen das doch auch hin.“
Genau dieser Vergleich kann problematisch werden.
Denn niemand sieht vollständig, welche Unterstützung andere Familien haben, wie Aufgaben verteilt sind oder wie viel Kraft hinter dem sichtbaren Ergebnis steckt.
Elternschaft ist kein Wettbewerb darin, wer die meisten Anforderungen gleichzeitig perfekt erfüllen kann.
Eine besondere Situation entsteht, wenn nicht nur die Mutter, sondern auch ein Kind ADHS hat.
Dann treffen möglicherweise ähnliche Schwierigkeiten aufeinander.
Die Mutter versucht, an die Sportsachen zu denken.
Das Kind vergisst die Sportsachen.
Die Mutter versucht, eine Routine aufzubauen.
Das Kind verliert das Interesse an der Routine.
Die Mutter ist selbst reizüberflutet.
Das Kind wird gleichzeitig laut und emotional.
Dadurch kann die gegenseitige Regulation anspruchsvoller werden.
Ein Kind mit ADHS braucht häufig viel äußere Struktur. Genau diese Struktur dauerhaft bereitzustellen, kann für einen Elternteil mit ADHS selbst besonders anstrengend sein.
Ein häufig beschriebener Weg zur eigenen Abklärung beginnt nicht bei der Mutter selbst.
Sondern beim Kind.
Das Kind wird wegen Konzentrationsproblemen, Impulsivität oder Schwierigkeiten in der Schule untersucht.
Die Mutter beschäftigt sich erstmals intensiver mit ADHS.
Sie liest über typische Schwierigkeiten.
Und plötzlich entstehen Erinnerungen:
„Das war bei mir als Kind genauso.“
„Ich habe auch ständig meine Sachen vergessen.“
„Genau so habe ich meine Hausaufgaben gemacht.“
Da ADHS eine relevante genetische Komponente hat, ist es grundsätzlich plausibel, dass ADHS innerhalb einer Familie bei mehreren Personen vorkommt.
Die Diagnose eines Kindes beweist jedoch nicht, dass ein Elternteil ebenfalls ADHS hat.
Manche Frauen begegnen ihrer eigenen ADHS zum ersten Mal über die Diagnose ihres Kindes.
Diese Situation kann emotional sein.
Eine Mutter versucht zu verstehen, warum ihr Kind bestimmte Dinge nicht zuverlässig schafft.
Sie lernt:
Gleichzeitig erinnert sie sich daran, was sie selbst als Kind gehört hat:
„Du bist einfach faul.“
„Du musst dich nur besser organisieren.“
„Du könntest es doch, wenn du wolltest.“
Das Wissen über das eigene Kind kann dadurch auch die Interpretation der eigenen Kindheit verändern.
Manchmal beginnt Selbstverständnis damit, dass wir einem anderen Menschen mehr Verständnis entgegenbringen als uns selbst.
Besonders in den ersten Jahren mit Kindern kann Schlaf fragmentiert oder deutlich reduziert sein.
Schlafmangel kann auch bei Menschen ohne ADHS Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Stimmung und Selbstregulation beeinträchtigen.
Bei bestehender ADHS können dadurch bereits vorhandene Schwierigkeiten subjektiv noch deutlicher werden.
Deshalb sollte eine Phase starker Konzentrationsprobleme nach der Geburt nicht vorschnell ausschließlich auf ADHS zurückgeführt werden.
Nicht jede Konzentrationsstörung einer Mutter ist ADHS. Schlaf, Belastung, psychische Gesundheit und körperliche Veränderungen müssen ebenfalls berücksichtigt werden.
Ein Kind braucht etwas.
Das ist unmittelbar.
Der eigene Spaziergang ist verschiebbar.
Die Schulaufgabe des Kindes hat eine Deadline.
Die eigene Pause nicht.
Der Arzttermin des Kindes steht im Kalender.
Die eigene Erholung hat keinen festen Termin.
Dadurch können die eigenen Bedürfnisse immer weiter nach hinten rutschen.
Was keine Deadline hat, verliert im vollen Familienalltag besonders leicht gegen das, was gerade dringend erscheint.
Gerade deshalb kann es sinnvoll sein, auch eigene Erholungszeiten nicht ausschließlich davon abhängig zu machen, ob zufällig noch Zeit übrig bleibt.
Es geht nicht darum, den Familienalltag perfekt zu organisieren.
Hilfreicher ist es, möglichst viel unnötige mentale Arbeit aus dem Kopf herauszunehmen.
Ein familienfreundliches ADHS-System versucht nicht, mehr im Kopf zu behalten. Es versucht, weniger im Kopf behalten zu müssen.
Gerade Mütter werden häufig daran gemessen, ob der Alltag funktioniert.
Die Kinder kommen zur Schule.
Termine werden eingehalten.
Essen steht auf dem Tisch.
Beruf und Familie laufen.
Von außen sieht das möglicherweise vollkommen stabil aus.
Deshalb lohnt sich eine zweite Frage:
„Wie viel Kraft kostet es dich, dass alles funktioniert?“
Wenn ein System nur funktioniert, weil eine Person permanent über ihre Belastungsgrenze geht, ist nicht zwangsläufig die Person das Problem.
Vielleicht braucht das System mehr Unterstützung, klarere Zuständigkeiten und weniger Anforderungen gleichzeitig.
Du musst nicht alles selbst im Kopf behalten, nur weil du bisher diejenige warst, die daran gedacht hat.
Hormone können Aufmerksamkeit, Stimmung, Schlaf und kognitive Funktionen beeinflussen. Einige Frauen mit ADHS berichten deshalb über Veränderungen ihrer Symptome im Verlauf des Menstruationszyklus. Die wissenschaftliche Forschung dazu wächst, erlaubt aber bislang keine einfache Regel wie „weniger Östrogen bedeutet automatisch stärkere ADHS-Symptome“.
Dieses Thema ist besonders wichtig, weil im Internet häufig sehr einfache Erklärungen zu finden sind.
„Östrogen sinkt, dadurch sinkt Dopamin und deshalb wird ADHS schlimmer.“
Eine solche direkte Kausalkette ist wissenschaftlich zu stark vereinfacht.
Hormone, Neurotransmittersysteme, Schlaf, Stress, Stimmung und ADHS-Symptome beeinflussen sich auf komplexe Weise.
Hormone können eine Rolle spielen. Sie sind aber nicht der Ein-Aus-Schalter für ADHS.
Sexualhormone wirken nicht ausschließlich auf Fortpflanzungsorgane.
Sie haben auch Wirkungen im zentralen Nervensystem.
Besonders häufig diskutiert werden:
Gleichzeitig sind neurobiologische Systeme beteiligt, die auch für Aufmerksamkeit, Motivation und Selbstregulation relevant sind.
Daraus ergibt sich eine plausible Verbindung zwischen hormonellen Veränderungen und subjektiv erlebten Veränderungen von ADHS-Symptomen.
Plausibilität ist allerdings noch kein Beweis für eine einfache Ursache-Wirkungs-Beziehung.
Zwischen „Hormone beeinflussen das Gehirn“ und „dieser Hormonwert verursacht dieses ADHS-Symptom“ liegt wissenschaftlich ein großer Unterschied.
Östrogene stehen unter anderem mit verschiedenen Neurotransmittersystemen und kognitiven Funktionen in Wechselwirkung.
Dazu gehören auch Systeme, an denen Dopamin beteiligt ist.
Dopamin wiederum spielt bei Prozessen wie Motivation, Belohnungsverarbeitung und kognitiver Kontrolle eine wichtige Rolle.
Deshalb wird untersucht, ob hormonelle Schwankungen bei manchen Frauen mit Veränderungen von ADHS-Symptomen zusammenhängen können.
Daraus sollte jedoch nicht die vereinfachte Formel entstehen:
„Wenig Östrogen = wenig Dopamin = starke ADHS.“
Das menschliche Gehirn funktioniert nicht wie eine einfache lineare Kette.
Neurotransmission wird durch zahlreiche Prozesse reguliert.
Östrogen kann neurobiologische Prozesse beeinflussen. Daraus lässt sich aber nicht anhand eines einzelnen Hormonwertes die Stärke einer ADHS ableiten.
Einige Frauen mit ADHS berichten von deutlichen Schwankungen.
Beispielsweise werden in bestimmten Zyklusphasen häufiger beschrieben:
Solche Erfahrungen sind wissenschaftlich interessant und werden zunehmend untersucht.
Gleichzeitig unterscheiden sich Frauen erheblich voneinander.
Nicht jede Frau mit ADHS erlebt zyklusabhängige Veränderungen.
Und nicht jede Veränderung während des Zyklus ist automatisch Ausdruck einer ADHS.
Ein möglicher Zusammenhang bedeutet nicht, dass jede Frau dasselbe Muster erleben muss.
Konzentration hängt nicht nur von ADHS ab.
Sie kann beispielsweise auch beeinflusst werden durch:
Wenn mehrere dieser Faktoren gleichzeitig auftreten, lässt sich im Alltag kaum feststellen, welcher Faktor welchen Anteil an einer Veränderung hat.
Eine Frau schläft beispielsweise vor ihrer Periode schlechter.
Am nächsten Tag fällt die Konzentration schwerer.
Ist die Ursache jetzt:
Im menschlichen Alltag wirken biologische und psychologische Faktoren selten isoliert voneinander.
ADHS ist eine neuroentwicklungsbedingte Störung.
Sie entsteht nicht jeden Monat neu und verschwindet anschließend wieder.
Trotzdem kann die Stärke einzelner Schwierigkeiten schwanken.
Das kennen viele Menschen mit ADHS auch unabhängig vom Menstruationszyklus.
Konzentration und Selbststeuerung können beispielsweise unterschiedlich gut funktionieren bei:
Hormonelle Veränderungen können möglicherweise ein weiterer Einflussfaktor innerhalb dieses komplexen Systems sein.
Eine schwankende Symptomstärke bedeutet nicht, dass die zugrunde liegende ADHS schwankend vorhanden ist.
Wenn du das Gefühl hast, dass sich deine ADHS-Symptome regelmäßig im Verlauf deines Zyklus verändern, kann es sinnvoll sein, zunächst das tatsächliche Muster zu beobachten.
Denn rückblickend ist es schwierig, Veränderungen zuverlässig einzuschätzen.
Über mehrere Zyklen könnten beispielsweise täglich kurz notiert werden:
Dabei geht es nicht darum, jede kleine Veränderung zu analysieren.
Interessant sind wiederkehrende Muster.
Nicht der einzelne schlechte Tag ist entscheidend. Interessant wird es, wenn sich über mehrere Zyklen ein ähnliches Muster zeigt.
Vor der Menstruation können bei manchen Frauen körperliche und psychische Beschwerden auftreten.
Einige dieser Beschwerden überschneiden sich mit Schwierigkeiten, die auch Menschen mit ADHS beschreiben.
Das macht die Einordnung komplizierter.
Besonders ausgeprägte zyklusabhängige psychische Beschwerden können außerdem im Zusammenhang mit einem prämenstruellen Syndrom oder einer prämenstruellen dysphorischen Störung stehen.
ADHS und solche Beschwerden können grundsätzlich auch gleichzeitig vorkommen.
Eine Verschlechterung vor der Periode sollte nicht automatisch vollständig der ADHS zugeschrieben werden.
Manche Frauen berichten subjektiv, dass ihre ADHS-Medikation in bestimmten Zyklusphasen weniger zuverlässig oder anders wirkt.
Auch hierzu gibt es wissenschaftliches Interesse, die Datenlage ist jedoch noch begrenzt.
Deshalb sollte die Dosierung von Medikamenten nicht eigenständig aufgrund einzelner Zyklustage verändert werden.
Wenn ein wiederkehrendes Muster auffällt, kann es sinnvoll sein, dieses zu dokumentieren und mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt zu besprechen.
Mehr grundlegende Informationen findest du unter ADHS und Medikamente.
Beobachten und dokumentieren: ja. Medikamente eigenständig verändern: nein.
Gerade bei ADHS bei Frauen besteht die Gefahr, von einem Extrem ins andere zu wechseln.
Lange wurden hormonelle Einflüsse möglicherweise zu wenig berücksichtigt.
Daraus sollte jedoch nicht entstehen, nun jede Veränderung von Konzentration, Stimmung oder Motivation hormonell zu erklären.
Hilfreicher ist eine breitere Perspektive.
Wenn sich Symptome verändern, können unter anderem betrachtet werden:
Die interessante Frage lautet nicht nur: „Sind es die Hormone?“ Sondern: „Welche Faktoren verändern meine Symptome – und zeigt sich dabei ein wiederkehrendes Muster?“
Wenn du deutliche zyklusabhängige Veränderungen bemerkst, musst du diese Erfahrungen nicht ignorieren.
Gleichzeitig ist es sinnvoll, sie nicht vorschnell mit einer einfachen biologischen Erklärung zu versehen.
Ein pragmatischer Weg kann sein:
Hormone können ein Teil der Erklärung sein. Eine gute Betrachtung von ADHS bei Frauen sollte aber immer den ganzen Menschen und seinen Alltag berücksichtigen.
Einige Frauen mit ADHS berichten, dass Konzentration, Vergesslichkeit, Reizbarkeit, Motivation oder emotionale Regulation in den Tagen vor der Menstruation schwieriger werden. Solche Veränderungen sind möglich, betreffen aber nicht jede Frau und können neben ADHS auch mit prämenstruellen Beschwerden, Schlaf, Stress und anderen Faktoren zusammenhängen.
Typische Beschreibungen lauten beispielsweise:
„Eine Woche im Monat funktioniert mein Kopf einfach anders.“
„Kurz vor meiner Periode vergesse ich plötzlich viel mehr.“
„Meine Medikamente fühlen sich an diesen Tagen anders an.“
„Dinge, die ich sonst irgendwie kompensieren kann, werden plötzlich viel schwieriger.“
Solche Beobachtungen sollten ernst genommen werden.
Gleichzeitig ist wichtig, verschiedene mögliche Ursachen voneinander zu unterscheiden.
Nicht jede Verschlechterung vor der Menstruation ist automatisch eine Verschlechterung der ADHS.
Die Erfahrungen sind individuell.
Manche Frauen berichten in bestimmten Zyklusphasen beispielsweise über:
Diese Beschwerden sind jedoch nicht spezifisch für ADHS.
Genau deshalb ist eine differenzierte Betrachtung wichtig.
Im Verlauf des Menstruationszyklus verändern sich unter anderem die Konzentrationen von Östrogen und Progesteron.
Diese hormonellen Veränderungen stehen mit verschiedenen Prozessen im Gehirn und Körper in Wechselwirkung.
Gleichzeitig können in der prämenstruellen Phase weitere Faktoren auftreten.
All diese Faktoren können wiederum Aufmerksamkeit und Selbstregulation beeinflussen.
Wenn mehrere Belastungsfaktoren gleichzeitig auftreten, können bisher funktionierende Kompensationsstrategien weniger zuverlässig werden.
Gerade bei diesem Thema werden verschiedene Begriffe schnell miteinander vermischt.
PMS bezeichnet körperliche und psychische Beschwerden, die im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus auftreten können.
Eine prämenstruelle dysphorische Störung – häufig als PMDS beziehungsweise englisch PMDD bezeichnet – ist eine deutlich stärker ausgeprägte zyklusbezogene Störung mit erheblichen psychischen Beschwerden.
Diese Zustände sind nicht identisch.
Sie können sich in einzelnen Beschwerden jedoch überschneiden.
Dazu gehören beispielsweise:
Ähnliche Symptome bedeuten nicht automatisch dieselbe Ursache.
Eine hilfreiche Frage lautet:
„Wann treten die Schwierigkeiten auf?“
ADHS-Symptome zeigen sich grundsätzlich nicht ausschließlich an bestimmten Tagen des Menstruationszyklus.
Bei einer ADHS finden sich typischerweise Hinweise auf Schwierigkeiten über längere Zeiträume und bereits in früheren Lebensphasen.
Prämenstruelle Beschwerden zeigen dagegen definitionsgemäß einen Zusammenhang mit bestimmten Zyklusphasen.
Deshalb kann die zeitliche Beobachtung wichtige Informationen liefern.
Wenn Beschwerden fast ausschließlich in einer bestimmten Zyklusphase auftreten, sollte nicht automatisch von ADHS als alleiniger Erklärung ausgegangen werden.
Möglich ist auch eine andere Konstellation.
Eine Frau kennt Schwierigkeiten mit Konzentration und Organisation bereits seit vielen Jahren.
Sie kann diese im Alltag normalerweise relativ gut kompensieren.
Vor der Menstruation kommen beispielsweise schlechterer Schlaf, körperliche Beschwerden oder stärkere emotionale Belastung hinzu.
Plötzlich funktionieren die gewohnten Strategien schlechter.
„Normalerweise bekomme ich es irgendwie hin. In diesen Tagen reicht meine Energie dafür einfach nicht.“
Das kann sich subjektiv wie eine deutliche Verstärkung der ADHS anfühlen.
Manchmal verändert sich nicht nur ein Symptom. Manchmal stehen einfach weniger Ressourcen zur Verfügung, um dasselbe Symptom auszugleichen.
Schlaf hat einen erheblichen Einfluss auf kognitive Leistungsfähigkeit.
Nach einer schlechten Nacht können auch Menschen ohne ADHS erleben:
Wenn sich der Schlaf in bestimmten Zyklusphasen verändert, kann dies die subjektiv wahrgenommenen ADHS-Schwierigkeiten zusätzlich beeinflussen.
Nicht jede Veränderung der Konzentration muss unmittelbar durch ADHS oder Hormone erklärt werden. Manchmal ist Schlaf ein wichtiger Teil des Gesamtbildes.
Manche Frauen berichten vor ihrer Periode von stärkerer Reizbarkeit oder intensiveren emotionalen Reaktionen.
Wenn gleichzeitig ohnehin Schwierigkeiten mit emotionaler Selbstregulation bestehen, kann diese Kombination besonders belastend sein.
Eine kleine Kritik trifft stärker.
Geräusche nerven schneller.
Konflikte fühlen sich intensiver an.
Die Geduld ist geringer.
Danach kommt möglicherweise zusätzlich Selbstkritik:
„Warum habe ich schon wieder so reagiert?“
Mehr zum Zusammenhang von ADHS und emotionaler Regulation findest du unter ADHS und Emotionen.
Stärkere Emotionen können ein Signal für erhöhte Belastung sein – nicht automatisch ein Beweis dafür, dass die ADHS selbst stärker geworden ist.
Ein normaler Arbeitstag beinhaltet bereits:
Kommen Erschöpfung, schlechter Schlaf oder körperliche Beschwerden hinzu, kann die persönliche Belastungsgrenze schneller erreicht werden.
Dann fühlt sich möglicherweise plötzlich schon eine normale Alltagssituation wie:
„Alles ist zu laut, zu viel und zu nah.“
an.
Einige Frauen berichten subjektiv, dass ihre ADHS-Medikation in bestimmten Zyklusphasen weniger wirksam erscheint.
Das Thema wird wissenschaftlich untersucht, die bisherige Datenlage ist jedoch noch begrenzt.
Zusätzlich können Faktoren wie Schlaf, Stress, Stimmung oder körperliche Beschwerden beeinflussen, wie ein Tag und damit auch die Wirkung einer Behandlung erlebt wird.
Deshalb sollte eine wahrgenommene Veränderung nicht automatisch zu einer eigenständigen Anpassung der Medikamentendosis führen.
Wenn du regelmäßig Veränderungen bemerkst, dokumentiere sie und besprich sie mit deiner behandelnden Ärztin oder deinem behandelnden Arzt.
Weitere grundlegende Informationen findest du unter ADHS und Medikamente.
Wenn du wissen möchtest, ob tatsächlich ein wiederkehrendes Muster besteht, kann eine kurze tägliche Dokumentation über mehrere Zyklen hilfreicher sein als die Erinnerung im Nachhinein.
Du könntest beispielsweise auf einer Skala von 0 bis 10 festhalten:
Dazu kommt der jeweilige Zyklustag.
Nach mehreren Wochen kann betrachtet werden:
„Gibt es tatsächlich ein wiederkehrendes Muster?“
„Hatte ich hauptsächlich einzelne schwierige Tage, die rückblickend besonders präsent geblieben sind?“
Dokumentation ersetzt keine Diagnostik. Sie kann aber aus einem diffusen Gefühl ein beobachtbares Muster machen.
Wenn sich über mehrere Monate ein relativ stabiles persönliches Muster zeigt, kann es sinnvoll sein, dieses bei der Alltagsplanung zu berücksichtigen.
Soweit der Alltag es erlaubt, können beispielsweise hilfreich sein:
Das bedeutet nicht, das gesamte Leben nach dem Zyklus auszurichten.
Es bedeutet, bekannte Muster bei der Planung nicht unnötig zu ignorieren.
Gute Selbstorganisation bedeutet nicht, jeden Tag gleich funktionieren zu müssen. Sie kann auch bedeuten, unterschiedliche Belastbarkeit realistisch einzuplanen.
Wenn Beschwerden regelmäßig sehr stark sind oder den Alltag, die Arbeit, Beziehungen oder das psychische Wohlbefinden deutlich beeinträchtigen, ist eine medizinische Abklärung sinnvoll.
Das gilt besonders bei ausgeprägten:
Dabei kann es wichtig sein, ADHS, PMS, PMDS und andere mögliche körperliche oder psychische Ursachen nicht vorschnell miteinander gleichzusetzen.
Eine bestehende ADHS sollte nicht dazu führen, neue oder stark zyklusabhängige Beschwerden automatisch der ADHS zuzuschreiben.
Die Frage:
„Wird ADHS vor der Periode schlimmer?“
lässt sich nicht für alle Frauen mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten.
Hilfreicher sind individuellere Fragen:
Nicht jede Frau mit ADHS erlebt ihren Zyklus gleich. Deshalb ist das eigene wiederkehrende Muster wichtiger als eine pauschale Regel aus dem Internet.
Schwangerschaft und die Zeit nach der Geburt können Aufmerksamkeit, Schlaf, Stimmung, Belastbarkeit und Alltagsorganisation deutlich verändern. Bei Frauen mit ADHS können sich dadurch bestehende Schwierigkeiten anders anfühlen oder stärker bemerkbar machen – gleichzeitig ist nicht jede Veränderung automatisch durch ADHS verursacht.
Schwangerschaft bedeutet Veränderung.
Körperlich.
Hormonell.
Emotional.
Und organisatorisch.
Nach der Geburt verändert sich der Alltag häufig noch einmal grundlegend.
Bei ADHS verändert sich in dieser Lebensphase nicht nur möglicherweise die Symptomwahrnehmung. Vor allem verändert sich die Umgebung, in der Selbstregulation stattfinden muss.
Manche Frauen berichten während einer Schwangerschaft über Veränderungen ihrer ADHS-Symptome.
Die Erfahrungen können dabei sehr unterschiedlich sein.
Einzelne Frauen erleben bestimmte Schwierigkeiten subjektiv als weniger ausgeprägt.
Andere berichten über mehr:
Daraus lässt sich jedoch kein allgemeingültiger Verlauf für Frauen mit ADHS ableiten.
Es gibt nicht die eine typische Schwangerschaft mit ADHS.
Umgangssprachlich wird häufig von „Schwangerschaftsdemenz“ gesprochen.
Der Begriff ist missverständlich, weil es sich dabei nicht um eine Demenzerkrankung handelt.
Manche Schwangere erleben Veränderungen bei:
Bei einer Frau mit ADHS können sich solche Erfahrungen mit bereits bekannten Schwierigkeiten überschneiden.
Dann ist im Alltag möglicherweise schwer zu unterscheiden:
„Ist meine ADHS gerade stärker – oder verändert die Schwangerschaft meine Konzentration?“
Oft lässt sich diese Frage nicht anhand eines einzelnen Symptoms beantworten.
Neue Vergesslichkeit während einer Schwangerschaft beweist keine ADHS. Eine bestehende ADHS bedeutet umgekehrt nicht, dass jede Konzentrationsveränderung durch ADHS verursacht wird.
Besonders in bestimmten Phasen der Schwangerschaft kann Müdigkeit erheblich sein.
Gleichzeitig können Schlafprobleme auftreten.
Weniger erholsamer Schlaf kann wiederum:
Bei bestehender ADHS kann dadurch der Eindruck entstehen, bekannte Schwierigkeiten hätten deutlich zugenommen.
Wenn das Gehirn müde ist, stehen weniger Ressourcen zur Verfügung, um Schwierigkeiten zu kompensieren.
Schwangerschaft bedeutet nicht nur körperliche Veränderung.
Es kommen zahlreiche neue Aufgaben hinzu.
Damit steigen die Anforderungen an exekutive Funktionen und Arbeitsgedächtnis.
Manchmal fühlt sich ADHS stärker an, weil plötzlich deutlich mehr organisiert werden muss.
Diese Frage gehört grundsätzlich in ärztliche Hände.
Ob eine ADHS-Medikation während einer Schwangerschaft fortgeführt, verändert oder pausiert wird, muss individuell ärztlich abgewogen werden.
Dabei können unter anderem eine Rolle spielen:
Eine Schwangerschaft sollte deshalb nicht automatisch bedeuten:
„Ich muss meine Medikamente sofort absetzen.“
Ebenso wenig sollte eine bestehende Medikation ohne medizinische Rücksprache unverändert fortgeführt werden, nur weil sie bisher gut funktioniert hat.
ADHS-Medikamente in Schwangerschaft und Stillzeit sollten nicht eigenständig begonnen, abgesetzt oder in der Dosierung verändert werden.
Grundlegende Informationen zur medikamentösen Behandlung findest du unter ADHS und Medikamente.
Ein Neugeborenes orientiert sich nicht am bisherigen Tagesplan.
Schlaf wird unterbrochen.
Mahlzeiten verschieben sich.
Routinen brechen weg.
Aufgaben werden ständig unterbrochen.
Gleichzeitig entsteht Verantwortung für einen Menschen, dessen Bedürfnisse unmittelbar sind.
Gerade ein Gehirn, das von äußerer Struktur profitiert, trifft nach der Geburt häufig auf eine Phase mit besonders wenig vorhersehbarer Struktur.
Ein Baby wird nachts wach.
Vielleicht einmal.
Vielleicht fünfmal.
Am nächsten Morgen beginnt der Tag trotzdem.
Chronischer oder wiederholter Schlafmangel kann unter anderem:
Diese Auswirkungen können sich mit ADHS-Symptomen überschneiden.
Nach drei stark unterbrochenen Nächten ist nicht jede Konzentrationsschwierigkeit ein Ausdruck der ADHS.
Vielleicht hat der Alltag vorher funktioniert durch:
Mit einem Neugeborenen können genau diese Strukturen zeitweise wegfallen.
Dadurch kann eine Frau erleben:
„Ich hatte mein Leben eigentlich ziemlich gut im Griff. Jetzt funktioniert plötzlich nichts mehr.“
Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass ihre ADHS grundlegend stärker geworden ist.
Vielleicht sind einige der Bedingungen weggefallen, die vorher geholfen haben.
Wenn Kompensation auf Struktur angewiesen ist, kann der Verlust dieser Struktur Schwierigkeiten sichtbar machen, die vorher gut aufgefangen wurden.
Die Zeit nach einer Geburt kann psychisch sehr anspruchsvoll sein.
Veränderungen von Stimmung, Angst, Antrieb, Schlaf oder emotionalem Erleben sollten deshalb differenziert betrachtet werden.
Neben ADHS können beispielsweise auch andere psychische oder körperliche Faktoren eine Rolle spielen.
Besonders bei deutlich anhaltenden oder stark belastenden Veränderungen ist eine professionelle Abklärung wichtig.
Eine bekannte ADHS-Diagnose darf nicht dazu führen, neue psychische Beschwerden nach einer Geburt automatisch als „nur ADHS“ einzuordnen.
Zu den tatsächlichen Anforderungen kommen möglicherweise Vorstellungen darüber, wie diese Zeit aussehen sollte.
„Ich müsste diese Zeit genießen.“
„Ich müsste intuitiv wissen, was mein Kind braucht.“
„Andere bekommen Haushalt und Baby doch auch hin.“
„Ich müsste organisierter sein.“
Solche Erwartungen können zusätzlichen Druck erzeugen.
Besonders dann, wenn die Realität aus Schlafmangel, Wäschebergen, vergessenen Nachrichten und einem unvorhersehbaren Tagesablauf besteht.
Ein chaotischer Alltag mit einem Neugeborenen ist kein zuverlässiger Maßstab für persönliche Kompetenz.
Gerade in einer Phase mit wenig Schlaf kann es sinnvoll sein, den Alltag möglichst einfach zu gestalten.
„Ich muss mich endlich besser organisieren.“
„Welche Entscheidungen kann ich aus meinem Alltag entfernen?“
Unterstützung muss nicht erst beginnen, wenn gar nichts mehr funktioniert.
Entlastung kann beispielsweise bedeuten:
Unterstützung ist nicht das Gegenteil von Selbstständigkeit. Sie kann ein Teil funktionierender Selbstorganisation sein.
Gerade nach einer Geburt sollte bei starken oder anhaltenden psychischen Veränderungen nicht ausschließlich mit Selbstmanagement gearbeitet werden.
Professionelle medizinische oder psychotherapeutische Unterstützung ist insbesondere wichtig, wenn beispielsweise:
Bei akuter Gefahr sollte unmittelbar medizinische Hilfe beziehungsweise der Notruf genutzt werden.
ADHS kann Teil der Belastung sein. Sie sollte aber niemals verhindern, andere behandelbare Ursachen ernst zu nehmen.
Schwangerschaft und die erste Zeit mit einem Kind sind keine neutralen Bedingungen, unter denen sich ADHS einfach unverändert beobachten lässt.
Hormone verändern sich.
Schlaf verändert sich.
Verantwortung verändert sich.
Der gesamte Alltag verändert sich.
Deshalb kann eine bessere Frage lauten:
„Was hat sich gerade in meinem Gehirn, meinem Körper und meinem Alltag verändert – und welche Unterstützung brauche ich unter diesen neuen Bedingungen?“
Einige Frauen mit ADHS berichten während der Perimenopause und der Wechseljahre über stärkere Schwierigkeiten mit Konzentration, Gedächtnis, Schlaf, emotionaler Regulation und Alltagsorganisation. Hormonelle Veränderungen können dabei eine Rolle spielen – gleichzeitig können ähnliche Beschwerden auch unabhängig von ADHS während dieser Lebensphase auftreten.
Gerade für Frauen, deren ADHS bisher nicht erkannt wurde, kann diese Phase besonders verwirrend sein.
„Früher habe ich mein Chaos irgendwie kompensiert. Warum funktioniert das plötzlich nicht mehr?“
Manche Frauen beginnen deshalb erstmals mit Mitte 40 oder Anfang 50, sich mit ADHS zu beschäftigen.
Dabei ist eine Unterscheidung besonders wichtig:
Eine ADHS kann spät erkannt werden. Sie entsteht aber nicht plötzlich durch die Wechseljahre.
Die Menopause bezeichnet rückblickend den Zeitpunkt der letzten Menstruation.
Die Jahre des Übergangs davor werden als Perimenopause bezeichnet.
In dieser Zeit verändert sich die hormonelle Regulation zunehmend.
Dabei können unterschiedliche körperliche und psychische Beschwerden auftreten.
Einige dieser Beschwerden überschneiden sich mit Schwierigkeiten, die auch bei ADHS auftreten können.
Genau diese Überschneidung macht die Einordnung manchmal schwierig.
Nein. ADHS gilt als neuroentwicklungsbedingte Störung und beginnt nicht erstmals durch die Wechseljahre.
Wenn eine Frau mit 48 Jahren erstmals starke Konzentrationsprobleme bemerkt, reicht das allein deshalb nicht für die Annahme einer ADHS.
Bei einer diagnostischen Abklärung wird auch nach früheren Lebensphasen gefragt.
Neu bemerkte Konzentrationsprobleme sind nicht automatisch eine neu entstandene ADHS.
Eine Frau hat vielleicht jahrzehntelang ein funktionierendes System entwickelt.
Sie nutzt Kalender.
Sie kontrolliert Termine.
Sie plant voraus.
Sie kompensiert Vergesslichkeit.
Sie arbeitet mit festen Routinen.
Dann verändern sich mehrere Bedingungen gleichzeitig.
Das bisherige Kompensationssystem gerät an seine Grenzen.
Manchmal wird nicht die ADHS plötzlich neu. Die bisherigen Strategien reichen nur nicht mehr aus, um sie genauso gut auszugleichen.
Viele Frauen verwenden während der Perimenopause den Begriff „Brain Fog“.
Gemeint sind damit häufig subjektive Erfahrungen wie:
Einige dieser Erfahrungen können oberflächlich wie ADHS-Symptome aussehen.
Deshalb ist die Lebensgeschichte wichtig.
Wenn Konzentrations- und Organisationsprobleme bereits seit Kindheit oder Jugend vorhanden waren, ergibt sich ein anderes Bild als bei Beschwerden, die erstmals während der Perimenopause auftreten.
Dass zwei Beschwerden ähnlich aussehen, bedeutet nicht, dass sie dieselbe Ursache haben.
Während der Perimenopause verändern und schwanken die Konzentrationen verschiedener Sexualhormone.
Östrogene wirken auch im zentralen Nervensystem und stehen mit verschiedenen Neurotransmittersystemen in Wechselwirkung.
Deshalb wird wissenschaftlich untersucht, inwieweit hormonelle Veränderungen auch für Frauen mit ADHS relevant sein können.
Die bisherige Forschung spricht dafür, hormonelle Einflüsse ernst zu nehmen.
Gleichzeitig ist die spezifische Forschung zu ADHS und Perimenopause noch begrenzt.
Deshalb wäre eine einfache Formel wie:
„Östrogen sinkt – Dopamin sinkt – ADHS wird stärker.“
wissenschaftlich zu stark vereinfacht.
Hormone können ein Teil des Gesamtbildes sein. Sie erklären aber nicht automatisch jede Veränderung von Konzentration oder Stimmung.
Schlafprobleme sind in der Perimenopause keine Seltenheit.
Beispielsweise können nächtliche Hitzewallungen oder andere Beschwerden den Schlaf beeinträchtigen.
Schlechter Schlaf kann wiederum:
Bei einer bereits vorhandenen ADHS können dadurch Schwierigkeiten stärker wahrgenommen werden.
Bevor jede Verschlechterung als hormonell verstärkte ADHS interpretiert wird, lohnt sich deshalb immer auch ein Blick auf den Schlaf.
Eine Frau geht in die Küche.
Dort angekommen weiß sie nicht mehr, warum.
Im Gespräch fehlt plötzlich ein Wort.
Ein Termin muss mehrfach überprüft werden.
Beim Arbeiten fällt es schwerer, mehrere Informationen gleichzeitig im Kopf zu behalten.
Solche Situationen können verständlicherweise verunsichern.
Gerade Frauen mit bereits bestehenden Schwierigkeiten im Arbeitsgedächtnis können Veränderungen besonders deutlich wahrnehmen.
„Ich war schon immer vergesslich. Aber früher konnte ich es besser auffangen.“
Genau dieser Unterschied zwischen einem langjährigen Muster und einer späteren Veränderung kann diagnostisch relevant sein.
Die Perimenopause findet nicht in einem leeren Raum statt.
Sie fällt häufig in eine Lebensphase, in der viele Frauen gleichzeitig hohe Anforderungen erleben.
Dazu können gehören:
Wenn Konzentration und Belastbarkeit gleichzeitig schlechter werden, ist deshalb eine eindeutige Ursache oft schwer festzulegen.
Hormone verändern sich nicht unabhängig vom Leben. Häufig verändern sich Hormone, Schlaf, Belastung und Alltag gleichzeitig.
Jahrzehntelang hat vieles irgendwie funktioniert.
Vielleicht mit:
In der Perimenopause funktioniert dieses System möglicherweise nicht mehr so zuverlässig.
Dadurch entsteht erstmals die Frage:
„Warum fällt mir eigentlich schon mein ganzes Leben so vieles schwer?“
Die Wechseljahre können damit bei manchen Frauen nicht die Ursache der ADHS sein, sondern der Zeitpunkt, an dem eine bereits lange bestehende Problematik deutlicher sichtbar wird.
Die Wechseljahre können eine ADHS-Diagnose zeitlich begleiten. Das bedeutet nicht, dass sie die ADHS verursacht haben.
Konzentrations- und Gedächtnisprobleme sind unspezifisch.
Deshalb sollten neue oder deutlich zunehmende Beschwerden nicht vorschnell ausschließlich mit ADHS erklärt werden.
Je nach individueller Situation können unter anderem relevant sein:
Eine ADHS-Diagnose sollte keine Abkürzung sein, um neue Beschwerden nicht mehr differenziert untersuchen zu müssen.
Unabhängig von der genauen Ursache einzelner Schwankungen kann es hilfreich sein, die Anforderungen an das Arbeitsgedächtnis zu reduzieren.
Beispielsweise durch:
Wenn das innere System weniger zuverlässig arbeitet, darf das äußere System zuverlässiger werden.
Sowohl die Behandlung einer ADHS als auch eine mögliche Hormontherapie gehören in eine individuelle medizinische Beratung.
Eine Hormontherapie ist keine allgemeine ADHS-Behandlung.
Gleichzeitig sollte eine bestehende ADHS-Medikation bei wahrgenommenen Veränderungen nicht eigenständig angepasst werden.
Sinnvoll kann sein, Veränderungen strukturiert zu dokumentieren und mit den behandelnden Ärztinnen oder Ärzten zu besprechen.
Weitere Informationen zur ADHS-Behandlung findest du unter ADHS und Medikamente.
Behandlung sollte sich an der individuellen medizinischen Situation orientieren – nicht an pauschalen Empfehlungen aus sozialen Medien.
Wenn ADHS erstmals während der Wechseljahre vermutet wird, lohnt sich ein Blick weit über die aktuelle Lebensphase hinaus.
Gerade die letzte Frage kann besonders hilfreich sein.
„Was ist neu?“ und „Was erkenne ich heute nur zum ersten Mal?“ sind zwei vollkommen unterschiedliche Fragen.
Wenn eine Frau während der Perimenopause erstmals über ADHS nachdenkt, können grundsätzlich unterschiedliche Situationen vorliegen.
Vielleicht bestand bereits seit der Kindheit ein ADHS-Muster, das lange kompensiert wurde.
Vielleicht sind Konzentrationsprobleme tatsächlich erst in dieser Lebensphase entstanden und haben andere Ursachen.
Oder mehrere Faktoren wirken gleichzeitig.
Genau deshalb ist eine sorgfältige Diagnostik wichtiger als eine schnelle Erklärung.
Die entscheidende Frage lautet nicht nur: „Warum kann ich mich heute schlechter konzentrieren?“ Sondern auch: „Welche Geschichte haben diese Schwierigkeiten in meinem bisherigen Leben?“
ADHS bei Frauen kann übersehen werden, wenn zunächst Depressionen, Angst, Erschöpfung oder andere psychische Beschwerden im Vordergrund stehen. Gleichzeitig bedeutet eine ADHS-Diagnose nicht, dass frühere Diagnosen automatisch falsch waren: ADHS kann gemeinsam mit anderen psychischen Erkrankungen auftreten.
Eine Frau sucht vielleicht Hilfe, weil sie erschöpft ist.
Sie schläft schlecht.
Sie kann sich kaum konzentrieren.
Sie zweifelt ständig an sich selbst.
Vielleicht entwickelt sie Ängste oder depressive Beschwerden.
Jahre später wird zusätzlich ADHS diagnostiziert.
Dann entsteht schnell der Gedanke:
„Dann hatte ich wahrscheinlich nie eine Depression. Es war die ganze Zeit nur ADHS.“
Genau dieser Schluss kann falsch sein.
ADHS kann übersehen werden. Andere psychische Erkrankungen können trotzdem gleichzeitig real vorhanden sein.
Auf den ersten Blick gibt es Beschwerden, die bei beiden Störungsbildern vorkommen können.
Trotzdem sind ADHS und Depression nicht dasselbe.
Entscheidend sind unter anderem Verlauf, Begleitsymptome und Lebensgeschichte.
Dass zwei Störungen einzelne Symptome teilen, bedeutet nicht, dass sie dieselbe Ursache haben.
Dieser Satz ist ein gutes Beispiel.
„Ich bekomme mich einfach zu nichts aufgerafft.“
Bei ADHS kann dahinter beispielsweise eine Schwierigkeit mit Aufgabeninitiierung stehen.
Bei einer Depression können dagegen unter anderem depressive Stimmung, Interessenverlust und verminderter Antrieb eine wichtige Rolle spielen.
Beides kann sich von außen ähnlich zeigen:
„Die Person fängt nicht an.“
Die zugrunde liegenden Prozesse können jedoch unterschiedlich sein.
Mehr zum Aufgabenstart bei ADHS findest du unter ADHS und Motivation.
Das sichtbare Verhalten allein verrät noch nicht zuverlässig, warum eine Handlung nicht beginnt.
Eine Frau sagt:
„Ich kann mich überhaupt nicht konzentrieren.“
Gleichzeitig kann sie sich bei einem interessanten Thema zwei Stunden intensiv beschäftigen.
Bei einer anderen Frau ist dagegen auch das Interesse an Dingen verschwunden, die ihr normalerweise Freude bereiten.
Diese Unterschiede können diagnostisch relevant sein.
Sie reichen allein jedoch nicht aus, um ADHS und Depression sicher voneinander zu unterscheiden.
Mehr zum Thema Aufmerksamkeit findest du unter ADHS und Konzentration.
Nicht nur die Frage „Kannst du dich konzentrieren?“ ist wichtig. Interessant ist auch: Wann gelingt Konzentration – und wann nicht?
Jahrelange Schwierigkeiten bleiben nicht immer ohne Folgen.
Wenn eine Frau wiederholt erlebt:
kann daraus über Jahre eine erhebliche psychische Belastung entstehen.
Selbstkritik kann zunehmen.
Das Selbstwertgefühl kann leiden.
Chronischer Stress kann entstehen.
ADHS und Depression müssen keine konkurrierenden Erklärungen sein. Bei manchen Menschen können sie Teil derselben Lebensgeschichte sein und gleichzeitig behandlungsbedürftig sein.
Auch Angst kann Konzentration erheblich beeinflussen.
Wer ständig mögliche Gefahren, Fehler oder negative Konsequenzen durchdenkt, hat weniger Aufmerksamkeit für die aktuelle Aufgabe zur Verfügung.
Gleichzeitig können Menschen mit ADHS Strategien entwickeln, die von außen ängstlich oder überkontrolliert wirken.
Dahinter kann eine Erfahrung stehen:
„Wenn ich nicht ständig aufpasse, geht etwas schief.“
Solche Verhaltensweisen können Kompensation sein.
Sie können aber ebenso mit einer Angststörung zusammenhängen.
Und beides kann gleichzeitig vorkommen.
Die gleiche Strategie kann bei zwei Menschen aus unterschiedlichen Gründen entstehen.
Manchmal entsteht ein paradoxer Mechanismus.
Eine Frau hat Angst, einen Termin zu vergessen.
Also kontrolliert sie den Kalender immer wieder.
Sie hat Angst, zu spät zu kommen.
Also fährt sie viel zu früh los.
Sie hat Angst, bei einer Präsentation etwas zu vergessen.
Also bereitet sie sich wesentlich intensiver vor, als eigentlich notwendig wäre.
Das Ergebnis:
„Sie ist doch hervorragend organisiert.“
Die entscheidende Frage lautet jedoch:
„Warum muss sie so viel kontrollieren, damit sie organisiert wirkt?“
Genau deshalb kann eine erfolgreiche Kompensation Schwierigkeiten verdecken.
Chronische Überlastung kann ebenfalls zu Beschwerden führen, die sich mit ADHS überschneiden.
Deshalb ist auch hier die zeitliche Entwicklung entscheidend.
Gab es ähnliche Schwierigkeiten bereits als Kind?
Waren sie schon während Schule, Ausbildung oder Studium vorhanden?
Oder entstanden sie erstmals nach einer längeren Phase hoher Belastung?
„Ich kann mich heute nicht konzentrieren“ und „Ich habe seit meiner Kindheit Schwierigkeiten mit der Steuerung meiner Aufmerksamkeit“ sind diagnostisch nicht dieselbe Aussage.
Es gibt noch eine weitere Möglichkeit.
Eine Frau hat tatsächlich seit ihrer Kindheit ADHS.
Sie hat jedoch gelernt, Schwierigkeiten mit sehr hohem Aufwand auszugleichen.
Dieses System kann lange funktionieren.
Bis es nicht mehr funktioniert.
„Ich konnte das doch früher alles. Warum schaffe ich plötzlich gar nichts mehr?“
Dann lohnt sich nicht nur die Frage nach der aktuellen Erschöpfung.
Sondern auch:
„Wie viel Kraft hat mich mein bisheriges Funktionieren eigentlich gekostet?“
Eine besonders wichtige Botschaft lautet deshalb:
Eine ADHS-Diagnose macht eine Depression nicht automatisch zu einer Fehldiagnose.
Ein Mensch kann ADHS haben und gleichzeitig an einer depressiven Erkrankung leiden.
Ebenso können Angststörungen und andere psychische Erkrankungen zusätzlich auftreten.
Deshalb sollte nach einer späten ADHS-Diagnose nicht automatisch jede bisherige psychische Diagnose verworfen werden.
Stattdessen sollte geprüft werden:
Manchmal ersetzt eine neue Diagnose die alte Erklärung. Manchmal ergänzt sie sie.
Manche Frauen erleben nach Beginn einer ADHS-Behandlung erstmals deutliche Veränderungen im Alltag.
Das kann beispielsweise betreffen:
Eine positive Reaktion auf eine Behandlung kann klinisch interessant sein.
Sie ersetzt jedoch keine sorgfältige Diagnostik.
„Das Medikament hilft mir“ ist keine eigenständige diagnostische Methode.
Statt nur einzelne Symptome zu betrachten, kann eine Reihe von Fragen hilfreicher sein.
Keine einzelne Antwort beweist eine ADHS.
Das Muster über die gesamte Lebensgeschichte ist entscheidender.
Konzentrationsprobleme sind häufig.
Vergesslichkeit ist häufig.
Erschöpfung ist häufig.
Prokrastination ist häufig.
Emotionale Belastung ist häufig.
Deshalb lautet die diagnostische Frage nicht:
„Habe ich dieses Symptom?“
Sondern unter anderem:
„Welche Symptome treten gemeinsam auf, seit wann bestehen sie, in welchen Lebensbereichen zeigen sie sich und wie stark beeinträchtigen sie meinen Alltag?“
Genau deshalb kann eine professionelle Diagnostik wichtig sein.
Gerade bei Frauen, die erst spät wegen ADHS abgeklärt werden, kann die Lebensgeschichte komplex sein.
Vielleicht gab es:
Die Aufgabe einer guten Diagnostik besteht nicht darin, möglichst schnell ein Etikett zu finden.
Sie soll verstehen, wie die verschiedenen Teile zusammengehören.
Die entscheidende Frage lautet nicht: „Ist es ADHS oder etwas anderes?“ Sondern häufig: „Welche Faktoren erklären welche Beschwerden – und können mehrere davon gleichzeitig vorhanden sein?“
Die Diagnose einer ADHS bei erwachsenen Frauen entsteht nicht durch ein einzelnes Symptom, einen Online-Test oder die Tatsache, dass man sich in einer Liste wiedererkennt. Entscheidend ist eine fachgerechte Diagnostik, die aktuelle Symptome, Beeinträchtigungen, die Entwicklung seit der Kindheit und mögliche andere Erklärungen gemeinsam betrachtet.
Gerade bei Frauen kann diese rückblickende Betrachtung besonders wichtig sein.
Denn manche haben jahrzehntelang funktioniert.
Sie haben Schulabschlüsse erreicht.
Studiert.
Gearbeitet.
Familien organisiert.
Beziehungen geführt.
Und trotzdem bestand möglicherweise seit der Kindheit ein erheblicher Aufwand, um Aufmerksamkeit, Organisation und Impulsivität zu regulieren.
Eine gute ADHS-Diagnostik fragt nicht nur: „Welche Probleme hast du heute?“ Sondern auch: „Welche Geschichte haben diese Schwierigkeiten?“
Eine ADHS-Diagnostik im Erwachsenenalter sollte durch entsprechend qualifizierte medizinische oder psychotherapeutische Fachpersonen erfolgen.
Je nach Versorgungssystem und individueller Situation können beispielsweise Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie oder entsprechend qualifizierte psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten beteiligt sein.
Wichtig ist insbesondere Erfahrung mit ADHS im Erwachsenenalter.
Gerade bei einer komplexen Vorgeschichte können außerdem weitere medizinische oder psychologische Untersuchungen notwendig sein.
ADHS-Coaching kann bei der Bewältigung des Alltags unterstützen. Es ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische ADHS-Diagnostik.
Der genaue Ablauf kann sich zwischen Praxen und Einrichtungen unterscheiden.
Typischerweise werden jedoch mehrere Informationsquellen miteinander kombiniert.
ADHS-Diagnostik ist das Zusammensetzen vieler Informationen – nicht das Bestehen eines einzelnen Tests.
ADHS gehört zu den neuroentwicklungsbedingten Störungen.
Deshalb wird bei einer Diagnostik nicht nur betrachtet, wie eine Frau heute funktioniert.
Es wird auch nach Hinweisen auf entsprechende Symptome in der Kindheit gefragt.
Dabei geht es nicht darum, im Nachhinein jede Schwierigkeit der Kindheit als ADHS umzudeuten.
Gesucht wird ein konsistentes Entwicklungsmuster.
Eine Diagnose mit 40 bedeutet nicht, dass ADHS mit 40 begonnen hat.
Das kommt vor.
Besonders bei einer Diagnostik viele Jahrzehnte später sind Erinnerungen nicht immer vollständig oder zuverlässig.
Deshalb können zusätzliche Informationsquellen hilfreich sein.
Solche Informationen sind keine Diagnose für sich.
Sie können aber helfen, die Entwicklung besser zu rekonstruieren.
Fehlende alte Zeugnisse schließen eine Diagnostik nicht automatisch aus.
Besonders interessant können wiederkehrende Formulierungen sein.
„Sie sollte konzentrierter arbeiten.“
„Sie lässt sich leicht ablenken.“
„Sie könnte bessere Leistungen erzielen, wenn sie sorgfältiger arbeiten würde.“
„Sie vergisst häufig ihre Arbeitsmaterialien.“
„Sie beteiligt sich lebhaft am Unterricht.“
Im Zusammenhang mit anderen Informationen können sie jedoch Hinweise auf ein bereits früher vorhandenes Muster liefern.
Das Zeugnis ist kein ADHS-Test. Es kann aber ein kleines Fenster in den damaligen Alltag sein.
Selbsttests können einen ersten Hinweis geben.
Sie können beispielsweise dabei helfen zu erkennen:
„Vielleicht sollte ich das einmal professionell abklären lassen.“
Sie können jedoch nicht zuverlässig feststellen, wodurch ein Symptom verursacht wird.
Eine Frage wie:
„Haben Sie Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren?“
kann bei ADHS mit Ja beantwortet werden.
Aber möglicherweise auch bei:
Ein Fragebogen kann Symptome erfassen. Er kann nicht automatisch erklären, woher diese Symptome kommen.
Viele Menschen vergessen gelegentlich einen Termin.
Viele Menschen schieben unangenehme Aufgaben auf.
Viele Menschen schweifen in langweiligen Gesprächen ab.
Deshalb reicht das Vorhandensein einzelner Eigenschaften nicht aus.
In der Diagnostik wird unter anderem betrachtet, ob ein Muster zu relevanten Schwierigkeiten in verschiedenen Lebensbereichen führt.
ADHS wird nicht dadurch definiert, dass jemand gelegentlich typische Eigenschaften zeigt. Entscheidend sind Muster, Dauer und relevante Beeinträchtigungen.
Eine Frau hat Abitur.
Einen Hochschulabschluss.
Einen anspruchsvollen Beruf.
Eine Familie.
Von außen entsteht schnell die Frage:
„Wie soll das mit ADHS möglich sein?“
Die bessere Frage lautet:
„Wie hat sie das geschafft?“
Erfolg schließt ADHS nicht aus. Die Kosten und Strategien hinter diesem Erfolg können diagnostisch genauso interessant sein wie das Ergebnis.
„Kommen Sie normalerweise pünktlich?“
kann mit Ja beantwortet werden.
Das sagt noch wenig darüber aus, wie diese Pünktlichkeit zustande kommt.
Vielleicht benötigt die Person:
Mehr zu diesem Mechanismus findest du unter ADHS und Pünktlichkeit und ADHS und Zeitblindheit.
Bei einer guten Diagnostik ist nicht nur interessant, ob etwas funktioniert. Interessant ist auch, was notwendig ist, damit es funktioniert.
Neuropsychologische oder computergestützte Aufmerksamkeitstests können je nach diagnostischer Situation zusätzliche Informationen liefern.
Sie sind jedoch nicht mit einer ADHS-Diagnose gleichzusetzen.
Eine Person mit ADHS kann in einer strukturierten Testsituation durchaus gute Leistungen zeigen.
Eine solche Situation unterscheidet sich erheblich vom Alltag.
Dort gibt es möglicherweise:
Im Alltag muss diese Struktur häufig selbst erzeugt werden.
Ein guter Konzentrationstest schließt ADHS nicht automatisch aus. Ein schlechter Konzentrationstest beweist sie ebenso wenig.
Differentialdiagnostik bedeutet vereinfacht:
„Welche anderen Erklärungen kommen für diese Beschwerden infrage?“
Das ist besonders wichtig, weil Konzentration, Vergesslichkeit, Unruhe und Organisationsprobleme nicht ausschließlich bei ADHS auftreten.
Je nach individueller Situation können unter anderem betrachtet werden:
Gleichzeitig können mehrere Erkrankungen nebeneinander bestehen.
Differentialdiagnostik bedeutet nicht nur „ADHS oder etwas anderes“. Manchmal lautet die Antwort auch: ADHS und etwas anderes.
Gerade bei Frauen wird zunehmend über den Zusammenhang zwischen ADHS und hormonellen Veränderungen gesprochen.
Das ist wissenschaftlich ein relevantes Forschungsgebiet.
Ein Hormonstatus kann jedoch nicht feststellen, ob eine Frau ADHS hat.
Auch eine subjektive Verschlechterung vor der Periode oder während der Wechseljahre beweist keine ADHS.
Entscheidend bleibt die gesamte Entwicklungsgeschichte.
Hormone können Symptome beeinflussen. Sie ersetzen keine ADHS-Diagnostik.
Wenn du einen Termin zur diagnostischen Abklärung hast, kann es hilfreich sein, einige Informationen vorher zusammenzustellen.
Besonders hilfreich kann eine einfache zeitliche Übersicht sein.
Kindheit → Schule → Ausbildung oder Studium → Beruf → Beziehungen → Familie → heutiger Alltag
Dazu jeweils die Frage:
„Welche Schwierigkeiten gab es – und wie habe ich sie ausgeglichen?“
Für manche Frauen bedeutet eine späte Diagnose zunächst Erleichterung.
„Endlich ergibt vieles Sinn.“
Gleichzeitig können auch andere Gefühle entstehen.
Trauer.
Wut.
Zweifel.
Vielleicht die Frage:
„Wie wäre mein Leben verlaufen, wenn ich das früher gewusst hätte?“
Eine Diagnose verändert die Vergangenheit nicht.
Sie kann aber einen neuen Rahmen dafür geben, die eigene Geschichte zu verstehen und zukünftige Strategien gezielter zu gestalten.
Eine gute Diagnose beantwortet nicht nur die Frage: „Habe ich ADHS?“ Sie sollte auch dabei helfen zu verstehen: „Wie zeigt sich ADHS bei mir – und was brauche ich im Alltag?“
ADHS bei Frauen wird heute deutlich stärker diskutiert als noch vor einigen Jahren. Gleichzeitig entstehen dadurch viele vereinfachte Aussagen über Symptome, Hormone, Menstruation und Wechseljahre. Die folgenden Antworten fassen die wichtigsten Fragen kurz und differenziert zusammen.
Nicht grundsätzlich.
Die diagnostischen Kernbereiche der ADHS sind nicht für Frauen und Männer getrennt.
Unterschiede können jedoch darin bestehen, welche Symptome besonders sichtbar werden, wie sie kompensiert werden und wie das Umfeld sie bewertet.
Eine Frau kann beispielsweise starke Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit und Organisation haben, ohne durch ausgeprägte sichtbare motorische Unruhe aufzufallen.
Es gibt keine eigene „weibliche ADHS“. ADHS kann bei Frauen aber anders sichtbar werden.
Dafür können verschiedene Faktoren zusammenspielen.
Spät erkannt bedeutet nicht spät entstanden.
Ja.
ADHS muss nicht mit deutlich sichtbarer körperlicher Hyperaktivität verbunden sein.
Schwierigkeiten können sich beispielsweise stärker in Unaufmerksamkeit, Vergesslichkeit, Organisation oder innerer Unruhe zeigen.
Gleichzeitig können Frauen mit ADHS selbstverständlich auch deutlich hyperaktiv oder impulsiv sein.
Gute Schulnoten schließen ADHS nicht aus.
Entscheidend ist nicht nur das Ergebnis.
Interessant ist auch, wie dieses Ergebnis erreicht wurde.
Gute Noten beantworten nicht automatisch die Frage, wie viel Kraft diese Noten gekostet haben.
Nein.
Diese vereinfachte Einteilung ist nicht sinnvoll.
Frauen können unaufmerksame, hyperaktive und impulsive Symptome in sehr unterschiedlichen Kombinationen zeigen.
Hyperaktivität kann außerdem weniger offensichtlich sein und sich beispielsweise als starke innere Unruhe, ständiges Beschäftigtsein, viel Reden oder Bewegungsdrang zeigen.
„Frauen sind verträumt, Männer sind hyperaktiv“ ist keine ausreichende Beschreibung von ADHS.
Mit „Masking“ wird häufig beschrieben, dass Schwierigkeiten nach außen verborgen oder kontrolliert werden.
Beispielsweise kann eine Frau versuchen:
Der Begriff wird im Zusammenhang mit ADHS häufig verwendet, ist aber kein diagnostisches Kernkriterium.
Entscheidend ist nicht nur, ob jemand funktioniert. Interessant ist auch, welcher Aufwand dafür notwendig ist.
Perfektionismus gehört nicht zu den diagnostischen Kernsymptomen der ADHS.
Er kann jedoch bei manchen Menschen als Kompensationsstrategie entstehen.
Wer häufig Dinge vergisst oder Fehler macht, kann beispielsweise versuchen, durch besonders intensive Kontrolle weitere Fehler zu verhindern.
Ein niedriger Selbstwert ist kein diagnostisches Kernsymptom der ADHS.
Wiederholte Schwierigkeiten und negative Rückmeldungen können das Selbstbild jedoch über Jahre beeinflussen.
„Ich habe diesen Termin vergessen.“
kann irgendwann werden:
Oder aus:
„Ich bekomme diese Aufgabe nicht angefangen.“
wird:
Ein wiederkehrendes Problem mit einer Aufgabe ist nicht dasselbe wie ein persönlicher Charakterfehler.
Einige Frauen berichten über stärkere ADHS-Schwierigkeiten in bestimmten Phasen ihres Menstruationszyklus.
Die Forschung zu diesem Zusammenhang entwickelt sich weiter.
Gleichzeitig können Schlaf, Stress, Schmerzen, PMS oder andere zyklusabhängige Beschwerden Konzentration und emotionale Regulation beeinflussen.
Ein zyklusabhängiges Muster ist möglich – aber nicht jede Frau mit ADHS erlebt es.
Deshalb wird untersucht, welche Bedeutung hormonelle Veränderungen für ADHS-Symptome haben können.
Die häufig verbreitete Formel:
„Weniger Östrogen bedeutet weniger Dopamin und deshalb mehr ADHS.“
ist jedoch wissenschaftlich zu stark vereinfacht.
Hormone können ADHS-Symptome möglicherweise beeinflussen. Sie sind aber kein einfacher Regler für die Stärke einer ADHS.
ADHS gilt als neuroentwicklungsbedingte Störung.
Konzentrations- und Gedächtnisprobleme können während der Perimenopause allerdings erstmals auftreten oder stärker wahrgenommen werden.
Bei einer ADHS-Diagnostik ist deshalb entscheidend, ob entsprechende Schwierigkeiten bereits in früheren Lebensphasen bestanden.
Die Wechseljahre können der Zeitpunkt sein, an dem eine ADHS erkannt wird. Sie sind nicht der Zeitpunkt, an dem eine ADHS plötzlich entsteht.
Ja, einzelne Beschwerden können sich überschneiden.
Konzentrationsprobleme, Erschöpfung oder Schwierigkeiten beim Aufgabenstart können beispielsweise unterschiedliche Ursachen haben.
Gleichzeitig können ADHS, Depression und Angststörungen gemeinsam auftreten.
Die Frage lautet deshalb nicht immer „ADHS oder Depression?“ Manchmal müssen beide unabhängig voneinander betrachtet werden.
Das ist möglich, darf aber nicht pauschal angenommen werden.
Eine Frau kann aufgrund von ADHS-bedingten Schwierigkeiten jahrelang belastet sein und später depressive Beschwerden entwickeln.
Sie kann aber auch unabhängig davon eine depressive Erkrankung haben.
Eine spätere ADHS-Diagnose bedeutet deshalb nicht automatisch, dass eine frühere Depressionsdiagnose falsch war.
Eine neue Diagnose kann eine frühere Erklärung ersetzen – oder sie sinnvoll ergänzen.
ADHS hat eine deutliche genetische Komponente.
Deshalb kommt ADHS innerhalb von Familien häufiger bei mehreren Familienmitgliedern vor.
Die ADHS eines Elternteils bedeutet jedoch nicht automatisch, dass ein Kind ebenfalls ADHS hat.
Ebenso beweist die Diagnose eines Kindes nicht, dass die Mutter oder der Vater ADHS haben.
Familiäre Häufung ist ein Hinweis auf genetische Einflüsse – keine automatische Diagnose für andere Familienmitglieder.
Eine fachgerechte Diagnostik betrachtet mehrere Informationsquellen.
Dazu gehören unter anderem:
Eine ADHS-Diagnose entsteht aus einem Gesamtbild – nicht aus einem einzelnen Fragebogen.
Ein seriöser Selbsttest kann Hinweise liefern, ob eine professionelle Abklärung sinnvoll sein könnte.
Er kann jedoch keine fachgerechte Diagnostik ersetzen.
Viele ADHS-ähnliche Beschwerden können auch andere Ursachen haben.
Ein Selbsttest kann eine Frage aufwerfen. Die Diagnose muss diese Frage wesentlich umfassender beantworten.
Eine Diagnose allein verändert den Alltag noch nicht.
Sie kann aber die Grundlage dafür schaffen, Schwierigkeiten gezielter zu verstehen und passende Unterstützung zu entwickeln.
Je nach individueller Situation können beispielsweise eine Rolle spielen:
Mehr grundlegende Informationen findest du unter Was ist ADHS?, ADHS und exekutive Funktionen und ADHS und Medikamente.
ADHS bei Frauen ist keine eigene Form der ADHS. Unterschiede können jedoch darin liegen, wie Symptome sichtbar werden, wie lange sie kompensiert werden und in welcher Lebensphase die Schwierigkeiten erstmals als ADHS erkannt werden.
Besonders wichtig sind folgende Punkte:
Die entscheidende Frage lautet nicht: „Passe ich in das typische Bild einer Frau mit ADHS?“ Sondern: „Gibt es in meiner Lebensgeschichte ein anhaltendes Muster von ADHS-Symptomen, das meinen Alltag relevant beeinflusst?“
Eine Diagnose kann erklären, warum bestimmte Dinge schwierig sind.
Danach beginnt die praktische Frage:
„Wie gestalte ich meinen Alltag so, dass er besser zu mir funktioniert?“
Im ADHS-Coaching können beispielsweise Themen bearbeitet werden wie:
Dabei geht es nicht darum, einen Menschen möglichst gut an ein vermeintlich „normales“ Funktionieren anzupassen.
Ziel ist es, konkrete Bedingungen zu finden, unter denen der eigene Alltag verlässlicher und mit weniger unnötigem Kraftaufwand funktioniert.
Du brauchst nicht für jede Schwierigkeit mehr Disziplin. Manchmal brauchst du ein System, das weniger Disziplin von dir verlangt.
Für die fachliche Einordnung von ADHS bei Frauen sind insbesondere internationale Konsensusarbeiten, diagnostische Leitlinien und Übersichtsarbeiten relevant.
Gerade die Forschung zu hormonellen Einflüssen, Menstruationszyklus, Schwangerschaft und Perimenopause entwickelt sich weiter.
Aussagen zu diesen Bereichen sollten deshalb entsprechend der aktuellen Studienlage vorsichtig interpretiert und nicht auf einfache hormonelle Ursache-Wirkungs-Modelle reduziert werden.
ADHS bei Frauen besser zu verstehen bedeutet nicht, ein neues Klischee über Frauen mit ADHS zu schaffen. Es bedeutet, genauer hinzusehen, wenn das bisherige Klischee wichtige Lebensgeschichten übersehen hat.