ADHS-Begriffserklärung

Die wichtigsten Begriffe rund um ADHS verständlich erklärt

Rund um ADHS werden zahlreiche medizinische, psychologische und umgangssprachliche Begriffe verwendet. Dieses Glossar erklärt die wichtigsten Bezeichnungen verständlich und ordnet ein, welche Begriffe wissenschaftlich anerkannt, vereinfachend oder bisher nicht eindeutig definiert sind.

Einleitung

Wer sich erstmals ausführlicher mit ADHS beschäftigt, begegnet schnell einer Vielzahl neuer Begriffe.

Dazu gehören beispielsweise:

Manche Begriffe stammen aus der medizinischen Diagnostik.

Andere kommen aus der Psychologie, der Neurowissenschaft oder dem Coaching.

Wieder andere werden vor allem in sozialen Medien und von Betroffenen verwendet.

Das kann zu Verwirrung führen.

Denn nicht jeder verbreitete Begriff ist gleichzeitig:

Dieses ADHS-Glossar soll deshalb drei Fragen beantworten:

  1. Was bedeutet der Begriff?
  2. Wie hängt er mit ADHS zusammen?
  3. Wie ist er wissenschaftlich einzuordnen?

ADHS wird heute als neuroentwicklungsbedingte Störung verstanden. Die diagnostischen Kernbereiche sind Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Für eine Diagnose müssen die Symptome in mehreren Lebensbereichen auftreten, bereits in der Kindheit begonnen haben und zu relevanten Beeinträchtigungen führen.

ADHS-Begriffe von A bis Z

ADHS

ADHS ist die Abkürzung für:

Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung

ADHS ist eine neuroentwicklungsbedingte Störung. Sie kann Aufmerksamkeit, Impulskontrolle, Aktivitätsregulation und Selbststeuerung beeinflussen.

Die Symptome beginnen in der Kindheit und können bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben. Bei Erwachsenen können sie anders aussehen als bei Kindern.

ADS

ADS steht für Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom oder Aufmerksamkeitsdefizitstörung.

Der Begriff wurde früher häufig verwendet, wenn vor allem Unaufmerksamkeit und keine deutlich sichtbare Hyperaktivität vorhanden waren.

Heute wird meist von:

ADHS mit vorwiegend unaufmerksamer Erscheinungsform

gesprochen.

ADS und ADHS sind daher nach heutiger Einordnung normalerweise keine zwei vollständig getrennten Störungen.

Das ältere Bibliothekswerk ADS – Eltern als Coach zeigt, dass Begriffe wie ADS, ADHS und hyperkinetische Störung historisch teilweise nebeneinander verwendet wurden.

Aktivierungsregulation

Aktivierungsregulation beschreibt die Fähigkeit, das eigene geistige und körperliche Aktivierungsniveau an eine Aufgabe anzupassen.

Menschen mit ADHS können sich bei interessanten oder dringenden Aufgaben sehr aktiv fühlen, während bei monotonen Tätigkeiten kaum ausreichend Handlungsenergie entsteht.

Das bedeutet nicht, dass eine Person grundsätzlich antriebslos ist.

Die Aktivierung kann stark von Interesse, Dringlichkeit, Neuigkeit und Bedeutung abhängen.

Arbeitsgedächtnis

Das Arbeitsgedächtnis hält Informationen kurzfristig verfügbar, während mit ihnen gearbeitet wird.

Es wird benötigt, um:

Bei ADHS können Informationen schneller aus dem Arbeitsgedächtnis verschwinden.

Typische Erfahrungen sind:

„Warum bin ich in diesen Raum gegangen?“
„Was wollte ich gerade sagen?“
„Ich habe die Nachricht gelesen, aber vergessen zu antworten.“

In ADS – Eltern als Coach werden Arbeitsgedächtnis und exekutive Funktionen gemeinsam als zentrale Steuerungsprozesse der Informationsverarbeitung beschrieben.

Aufmerksamkeitssteuerung

Aufmerksamkeitssteuerung bedeutet, die eigene Aufmerksamkeit:

ADHS bedeutet nicht, dass Betroffene grundsätzlich keine Aufmerksamkeit besitzen.

Schwierig ist häufig die zuverlässige Steuerung der Aufmerksamkeit entsprechend der eigenen Absicht.

Body Doubling

Body Doubling bezeichnet eine Strategie, bei der eine andere Person anwesend ist, während eine Aufgabe erledigt wird.

Die andere Person muss nicht helfen oder kontrollieren.

Ihre Anwesenheit kann:

Body Doubling ist keine medizinische Behandlung und kein offizieller Fachbegriff der ADHS-Diagnostik. Viele Betroffene erleben die Methode dennoch als hilfreich.

Coaching

ADHS-Coaching ist eine alltags- und zielorientierte Begleitung.

Mögliche Themen sind:

Coaching ersetzt keine medizinische Diagnostik oder notwendige Psychotherapie.

Es kann jedoch dabei helfen, vorhandenes Wissen in konkrete Handlungen und individuelle Strategien zu übersetzen.

Dopamin

Dopamin ist ein Neurotransmitter, also ein chemischer Botenstoff im Gehirn.

Dopamin ist unter anderem beteiligt an:

Die häufige Aussage:

„Menschen mit ADHS haben zu wenig Dopamin“

ist wissenschaftlich zu einfach.

Genauer ist, dass bei ADHS die Regulation und Signalübertragung bestimmter dopaminerger Netzwerke verändert sein kann.

DSM-5

DSM-5 steht für:

Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Fifth Edition

Es handelt sich um ein diagnostisches Klassifikationssystem der American Psychiatric Association.

Das DSM-5 beschreibt unter anderem Kriterien und Erscheinungsformen der ADHS.

Für eine Diagnose reicht es nicht aus, gelegentlich unkonzentriert oder impulsiv zu sein. Die Symptome müssen in einem klinisch relevanten Muster auftreten und den Alltag beeinträchtigen.

Emotionale Dysregulation

Emotionale Dysregulation beschreibt Schwierigkeiten, Gefühle angemessen zu regulieren.

Mögliche Anzeichen sind:

Emotionale Dysregulation gehört nicht in allen Diagnosesystemen zu den offiziellen ADHS-Kernkriterien.

Sie wird in der Forschung und Praxis dennoch als häufiges und relevantes Begleitmerkmal beschrieben.

Erscheinungsform

Der Begriff Erscheinungsform beschreibt, welche ADHS-Symptome bei einer Person aktuell besonders deutlich ausgeprägt sind.

Unterschieden werden:

Die Erscheinungsform kann sich im Laufe des Lebens verändern.

Exekutive Funktionen

Exekutive Funktionen sind geistige Steuerungsprozesse.

Sie helfen dabei:

Sie werden häufig mit einem Dirigenten verglichen, der verschiedene Fähigkeiten miteinander koordiniert.

Betroffene können über Wissen und Fähigkeiten verfügen, aber Schwierigkeiten haben, diese im richtigen Moment zusammenzuführen.

Hyperaktivität

Hyperaktivität bezeichnet einen erhöhten Bewegungs- oder Aktivitätsdrang.

Bei Kindern kann sie sich zeigen durch:

Bei Erwachsenen wird Hyperaktivität häufig weniger sichtbar.

Sie kann dann als innere Unruhe, Getriebenheit oder ständige geistige Aktivität erlebt werden.

Hyperfokus

Hyperfokus bezeichnet eine besonders intensive Konzentration auf eine interessante oder emotional bedeutsame Tätigkeit.

Während des Hyperfokus können Menschen:

Hyperfokus ist kein offizielles Diagnosekriterium von ADHS.

Der Begriff beschreibt jedoch ein häufig berichtetes Alltagserleben.

Hyperfokus bedeutet außerdem nicht automatisch, dass eine Person ihre Aufmerksamkeit jederzeit bewusst kontrollieren kann.

ICD-11

ICD-11 steht für:

International Classification of Diseases, 11th Revision

Die ICD wird von der Weltgesundheitsorganisation herausgegeben.

Sie enthält international verwendete diagnostische Kategorien für Krankheiten und psychische Störungen.

ADHS wird dort als neuroentwicklungsbedingte Störung eingeordnet.

NICE verweist inzwischen auf die Klassifikation nach ICD-11 und DSM-5.

Impulsivität

Impulsivität beschreibt die Tendenz, schnell auf Gedanken, Gefühle oder äußere Reize zu reagieren, ohne die Folgen ausreichend zu prüfen.

Sie kann sich zeigen durch:

Impulsivität gehört zu den diagnostischen Kernbereichen von ADHS.

Inhibition

Inhibition bedeutet Hemmung.

Gemeint ist die Fähigkeit, eine unmittelbare Reaktion zu stoppen oder zu verzögern.

Sie ermöglicht die kurze Pause zwischen:

Bei ADHS kann diese innere Bremse weniger zuverlässig verfügbar sein.

Inhibition ist eng mit Impulskontrolle und exekutiven Funktionen verbunden.

Innere Unruhe

Innere Unruhe beschreibt ein Gefühl ständiger geistiger oder körperlicher Aktivierung.

Betroffene berichten beispielsweise über:

Innere Unruhe kann eine Form erwachsener Hyperaktivität sein.

Sie kann aber auch bei Angst, Stress, Schlafmangel oder anderen psychischen Belastungen auftreten.

Komorbidität

Komorbidität bedeutet, dass neben einer Erkrankung oder Störung mindestens eine weitere diagnostizierbare Störung besteht.

ADHS kann beispielsweise gemeinsam auftreten mit:

Eine zusätzliche Diagnose darf nicht automatisch als Folge der ADHS verstanden werden.

Beide Störungsbilder müssen sorgfältig beurteilt werden.

NICE empfiehlt, bei der Diagnostik auch gleichzeitig bestehende psychische, körperliche und neuroentwicklungsbedingte Bedingungen zu erfassen.

Masking

Masking bedeutet, sichtbare Schwierigkeiten bewusst oder unbewusst zu verbergen.

Menschen mit ADHS versuchen möglicherweise:

Masking kann dazu führen, dass ADHS lange nicht erkannt wird.

Die dauerhafte Kompensation kann jedoch viel Energie kosten und zu Erschöpfung beitragen.

Masking ist kein eigenständiges Diagnosekriterium.

Methylphenidat

Methylphenidat ist ein stimulierender Wirkstoff, der zur Behandlung von ADHS eingesetzt wird.

Er beeinflusst insbesondere die Signalübertragung von Dopamin und Noradrenalin.

Methylphenidat ist in unterschiedlichen Präparaten und Wirkzeiten erhältlich.

Die Einstellung und Kontrolle müssen ärztlich erfolgen.

NICE nennt Methylphenidat neben Lisdexamfetamin als eine medikamentöse Behandlungsoption für Erwachsene mit ADHS.

Neurodivergenz

Neurodivergenz ist ein nicht medizinischer Oberbegriff für Menschen, deren neurologische Entwicklung oder Informationsverarbeitung von gesellschaftlich angenommenen Normen abweicht.

Dazu werden häufig gezählt:

Neurodivergenz ist keine Diagnose.

Der Begriff kann helfen, Unterschiede nicht ausschließlich defizitorientiert zu betrachten.

Das Bibliothekswerk Neurodiversität in Unternehmen betont zugleich, dass sich neurodivergente Diagnosen häufig überschneiden oder gemeinsam auftreten können.

Neurotransmitter

Neurotransmitter sind chemische Botenstoffe, über die Nervenzellen miteinander kommunizieren.

Bei ADHS werden besonders häufig untersucht:

Weitere Neurotransmittersysteme können ebenfalls beteiligt sein.

ADHS wird jedoch nicht durch einen einzigen Botenstoff verursacht.

Noradrenalin

Noradrenalin ist ein Neurotransmitter und zugleich ein Hormon.

Im Gehirn beeinflusst es unter anderem:

Dopamin und Noradrenalin spielen gemeinsam eine wichtige Rolle bei der Steuerung von Aufmerksamkeit und Aktivierung.

Nicht-Stimulanzien

Nicht-Stimulanzien sind ADHS-Medikamente, die nicht zur Gruppe der Stimulanzien gehören.

Dazu zählen je nach Alter und Zulassung beispielsweise:

Nicht-Stimulanzien können infrage kommen, wenn Stimulanzien nicht ausreichend wirken, nicht vertragen werden oder medizinische Gründe gegen ihre Verwendung sprechen.

Die Auswahl muss individuell und ärztlich erfolgen.

Neuroplastizität

Neuroplastizität beschreibt die Fähigkeit des Gehirns, sich durch Erfahrungen, Lernen und Übung zu verändern.

Neue Strategien, Routinen und Verhaltensweisen können neuronale Netzwerke beeinflussen.

Neuroplastizität bedeutet jedoch nicht, dass ADHS durch ausreichend Training einfach verschwindet.

Sie erklärt vielmehr, warum Lernen und wiederholte Erfahrungen langfristige Veränderungen ermöglichen können.

Overstimulation

Overstimulation bedeutet Überstimulation oder Reizüberlastung.

Der Begriff beschreibt einen Zustand, in dem mehr Informationen verarbeitet werden müssen, als aktuell bewältigt werden können.

Mögliche Anzeichen sind:

Overstimulation ist kein offizielles ADHS-Symptom.

Menschen mit ADHS können durch Schwierigkeiten bei Aufmerksamkeitssteuerung und Reizpriorisierung jedoch schneller überfordert sein.

Prokrastination

Prokrastination bedeutet, eine notwendige Aufgabe trotz erwartbarer Nachteile aufzuschieben.

Bei ADHS können verschiedene Faktoren beteiligt sein:

Prokrastination ist nicht automatisch Faulheit.

Psychoedukation

Psychoedukation bedeutet, Betroffenen und Angehörigen verständliches Fachwissen über eine psychische oder neuroentwicklungsbedingte Störung zu vermitteln.

Bei ADHS umfasst Psychoedukation beispielsweise:

Psychoedukation kann Schuldgefühle reduzieren und einen realistischeren Umgang mit ADHS fördern.

NICE empfiehlt, Informationen an Alter, kognitive Voraussetzungen, Lebensphase und persönliche Bedürfnisse anzupassen.

Reizfilter

Der Begriff Reizfilter beschreibt vereinfacht die Fähigkeit des Gehirns, wichtige von unwichtigen Informationen zu unterscheiden.

Es handelt sich nicht um einen einzelnen biologischen Filter.

Gemeint ist das Zusammenspiel von:

Bei ADHS können Geräusche, Bewegungen, Gedanken oder Benachrichtigungen stärker miteinander um Aufmerksamkeit konkurrieren.

Reizüberflutung

Reizüberflutung bezeichnet einen Zustand, in dem die vorhandenen Eindrücke die aktuelle Verarbeitungskapazität übersteigen.

Mögliche Auslöser sind:

Reizüberflutung und Reizfilter sind nicht dasselbe.

Der Reizfilter beschreibt die Auswahl und Gewichtung von Informationen.

Reizüberflutung beschreibt den Zustand der Überlastung.

Rejection Sensitivity

Rejection Sensitivity bedeutet eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber tatsächlicher oder vermuteter Ablehnung.

Betroffene reagieren möglicherweise besonders stark auf:

Eine erhöhte Zurückweisungsempfindlichkeit kann bei Menschen mit ADHS vorkommen.

Sie ist jedoch kein offizielles ADHS-Diagnosekriterium.

Rejection Sensitive Dysphoria – RSD

RSD ist die Abkürzung für Rejection Sensitive Dysphoria.

Der Begriff wird verwendet, um sehr intensive emotionale Reaktionen auf Ablehnung oder Kritik zu beschreiben.

RSD ist derzeit keine offiziell anerkannte medizinische oder psychologische Diagnose.

Auf einer wissenschaftlich orientierten Website sollte deshalb nicht behauptet werden, RSD sei ein gesichertes eigenständiges ADHS-Symptom.

Genauer ist:

Manche Menschen mit ADHS berichten über eine ausgeprägte Empfindlichkeit gegenüber Kritik und Zurückweisung.

Selbstregulation

Selbstregulation bezeichnet die Fähigkeit, das eigene Verhalten, die Aufmerksamkeit, Gefühle und Aktivierung an Ziele und Situationen anzupassen.

Dazu gehören:

Viele ADHS-Schwierigkeiten können als Schwierigkeiten der Selbstregulation verstanden werden.

Stimulanzien

Stimulanzien sind Medikamente, die bestimmte Prozesse im zentralen Nervensystem beeinflussen.

Zu den in der ADHS-Behandlung eingesetzten Wirkstoffen gehören unter anderem:

Bei Menschen mit ADHS können sie Aufmerksamkeit und Impulskontrolle verbessern und Hyperaktivität reduzieren.

Stimulanzien dürfen nur ärztlich verordnet und kontrolliert werden. NICE empfiehlt, ADHS-Medikamente ausschließlich durch entsprechend qualifizierte Fachpersonen einzuleiten.

Task Initiation

Task Initiation bedeutet Aufgabenbeginn oder Handlungsaktivierung.

Der Begriff beschreibt die Fähigkeit, eine beabsichtigte Tätigkeit tatsächlich zu starten.

Menschen mit ADHS können genau wissen:

Trotzdem gelingt der Beginn nicht.

Besonders schwierig sind häufig langweilige, unklare, umfangreiche oder emotional belastende Aufgaben.

Time Blocking

Time Blocking ist eine Methode des Zeitmanagements.

Dabei werden Aufgaben nicht nur auf eine Liste geschrieben, sondern konkreten Zeiträumen im Kalender zugeordnet.

Beispiel:

Nicht:

„Bericht schreiben“

Sondern:

„Dienstag von 10 bis 10:30 Uhr: Einleitung schreiben“

Time Blocking kann bei ADHS helfen, Aufgaben und Zeit sichtbar miteinander zu verbinden.

Zeitblöcke sollten jedoch realistisch sein und ausreichend Puffer enthalten.

Transition – Übergang

Transition bezeichnet den Wechsel zwischen Tätigkeiten, Orten oder Zuständen.

Beispiele sind:

Übergänge verlangen, eine Tätigkeit zu beenden und die nächste zu aktivieren.

Genau dieser Wechsel kann bei ADHS besonders viel Energie benötigen.

Unaufmerksamkeit

Unaufmerksamkeit gehört zu den diagnostischen Kernbereichen der ADHS.

Mögliche Merkmale sind:

Unaufmerksamkeit bedeutet nicht, dass eine Person grundsätzlich nicht aufmerksam sein kann.

Unterstimulation

Unterstimulation beschreibt einen Zustand, in dem eine Situation nicht ausreichend Aktivierung erzeugt.

Mögliche Folgen sind:

Menschen mit ADHS suchen möglicherweise Bewegung, Musik oder Abwechslung, um ihr Aktivierungsniveau zu erhöhen.

Umweltanpassung

Umweltanpassungen verändern Bedingungen so, dass Schwierigkeiten reduziert werden.

Beispiele sind:

NICE definiert Umweltanpassungen als Veränderungen der physischen oder sozialen Umgebung, die die Auswirkungen von ADHS reduzieren können. Die Behandlung soll solche Anpassungen berücksichtigen.

Working Memory

Working Memory ist die englische Bezeichnung für Arbeitsgedächtnis.

Der Begriff wird in vielen englischsprachigen ADHS-Büchern, Studien und Videos verwendet.

Gemeint ist die Fähigkeit, Informationen kurzfristig aktiv zu halten und gleichzeitig zu verarbeiten.

Zeitblindheit

Zeitblindheit beschreibt Schwierigkeiten, Zeit zuverlässig wahrzunehmen und einzuschätzen.

Mögliche Anzeichen sind:

Zeitblindheit ist kein offizielles Diagnosekriterium.

Der Begriff beschreibt jedoch ein häufig berichtetes Alltagserleben bei ADHS.

Begriffe, die nicht gleichbedeutend sind

ADHS und ADS

ADS ist keine vollständig getrennte Erkrankung.

Der Begriff bezeichnet heute meist die vorwiegend unaufmerksame Erscheinungsform der ADHS.

Reizfilter und Reizüberflutung

Der Reizfilter beschreibt die Auswahl von Informationen.

Reizüberflutung beschreibt einen Zustand zu hoher Belastung.

Hyperfokus und Konzentration

Konzentration ist die bewusste Ausrichtung der Aufmerksamkeit.

Hyperfokus beschreibt eine intensive Bindung an eine Tätigkeit, die sich möglicherweise nur schwer steuern oder unterbrechen lässt.

Motivation und Handlungsaktivierung

Motivation beschreibt, warum ein Ziel als wichtig oder attraktiv erlebt wird.

Handlungsaktivierung beschreibt, ob die Person tatsächlich mit der Aufgabe beginnen kann.

Man kann motiviert sein und trotzdem nicht beginnen.

Impulsivität und Aggression

Impulsivität beschreibt schnelles Handeln ohne ausreichende Prüfung.

Aggression ist ein Verhalten, das auf Schädigung oder Verletzung gerichtet sein kann.

Nicht jeder impulsive Mensch ist aggressiv.

Neurodivergenz und Diagnose

Neurodivergenz ist ein gesellschaftlicher Oberbegriff.

ADHS ist eine medizinisch und psychologisch diagnostizierbare neuroentwicklungsbedingte Störung.

Emotionale Dysregulation und RSD

Emotionale Dysregulation ist ein wissenschaftlich untersuchtes psychologisches Konzept.

RSD ist ein verbreiteter, aber nicht offiziell anerkannter Begriff für besonders starke Reaktionen auf Ablehnung.

Welche Begriffe gehören offiziell zur ADHS-Diagnose?

Zu den diagnostischen Kernbereichen gehören:

Nicht zu den eigenständigen offiziellen Diagnosekriterien gehören unter anderem:

Diese Begriffe können trotzdem wichtige Alltagserfahrungen beschreiben.

Sie dürfen jedoch nicht mit offiziellen Diagnosekriterien gleichgesetzt werden.

Eine ADHS-Diagnose erfolgt durch eine umfassende fachliche Beurteilung. Sie darf nicht allein auf einzelnen Begriffen, Selbsteinschätzungen oder einem Online-Fragebogen beruhen.

Häufige Fragen zu ADHS-Begriffen

Ist ADS dasselbe wie ADHS?

ADS bezeichnet heute meist die vorwiegend unaufmerksame Erscheinungsform von ADHS. Es handelt sich in der Regel nicht um eine vollständig eigenständige Diagnose.

Ist Hyperfokus ein ADHS-Symptom?

Hyperfokus ist kein offizielles Diagnosekriterium. Viele Menschen mit ADHS berichten jedoch, dass sie sich bei interessanten Tätigkeiten sehr intensiv konzentrieren und nur schwer wieder lösen können.

Ist RSD wissenschaftlich anerkannt?

RSD ist keine offiziell anerkannte Diagnose. Eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Zurückweisung und emotionale Dysregulation können bei ADHS auftreten, sollten aber fachlich differenziert eingeordnet werden.

Was sind exekutive Funktionen?

Exekutive Funktionen sind geistige Steuerungsprozesse. Sie helfen dabei, Aufgaben zu planen, zu beginnen, Aufmerksamkeit zu steuern, Impulse zu hemmen und Verhalten zu überprüfen.

Was bedeutet Zeitblindheit?

Zeitblindheit beschreibt Schwierigkeiten, Zeit, Dauer und zukünftige Termine zuverlässig wahrzunehmen. Der Begriff ist kein offizielles Diagnosekriterium.

Was ist Neurodivergenz?

Neurodivergenz beschreibt neurologische Unterschiede gegenüber gesellschaftlich angenommenen Normen. Der Begriff ist keine medizinische Diagnose.

Was ist der Unterschied zwischen Dopamin und Motivation?

Dopamin ist ein Neurotransmitter, der an Motivation und Belohnungsverarbeitung beteiligt ist. Motivation entsteht jedoch nicht allein durch Dopamin, sondern durch ein Zusammenspiel biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren.

Was bedeutet Masking bei ADHS?

Masking beschreibt das Verbergen oder Kompensieren sichtbarer ADHS-Schwierigkeiten. Dies kann kurzfristig Anpassung ermöglichen, langfristig aber viel Energie kosten.

Was ist der Unterschied zwischen Coaching und Therapie?

Coaching arbeitet meist ziel- und alltagsorientiert an konkreten Strategien. Psychotherapie behandelt psychische Erkrankungen und erhebliche emotionale Belastungen. Coaching ersetzt keine notwendige Psychotherapie.

Zusammenfassung

Rund um ADHS werden medizinische, psychologische und umgangssprachliche Begriffe verwendet.

Zu den offiziell diagnostisch relevanten Kernbereichen gehören:

Andere Begriffe beschreiben wichtige Zusammenhänge oder Alltagserfahrungen:

Begriffe wie RSD oder Body Doubling sind im Austausch unter Betroffenen weit verbreitet, aber keine offiziell anerkannten Diagnosen oder Kernsymptome.

Eine gute Begriffserklärung sollte deshalb weder Alltagserfahrungen abwerten noch populäre Konzepte vorschnell als wissenschaftlich bewiesen darstellen.

Das Ziel ist eine klare und differenzierte Sprache:

verständlich für Betroffene und Angehörige, aber wissenschaftlich so genau wie möglich.

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Wissen über ADHS ist ein wichtiger erster Schritt. Die eigentliche Veränderung entsteht jedoch im Alltag. Viele Menschen kennen inzwischen zahlreiche Fachbegriffe und verstehen ihre Schwierigkeiten besser – erleben aber trotzdem, dass alte Muster bestehen bleiben.

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Medizinischer Hinweis

Die Inhalte dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche, psychotherapeutische oder psychiatrische Diagnostik oder Behandlung. Einzelne Begriffe oder Selbsteinschätzungen reichen nicht aus, um ADHS oder eine andere psychische beziehungsweise neuroentwicklungsbedingte Störung festzustellen. Wenden Sie sich bei entsprechendem Verdacht oder erheblichem Leidensdruck an eine qualifizierte Fachperson.

Quellen und weiterführende Literatur